Forschung
Eine Forschende hält einen hochreflektierenden Spiegel für Laseranwendungen in der Hand.  Die Technologie soll für die Laserfusion optimiert werden. - © Fraunhofer IOF
22.03.2025

Neue Hochleistungsspiegel für die Laserfusion

Lasergetriebene Fusionskraftwerke gelten als Schlüsseltechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität. Für diese Fusionskraftwerke sind hochreflektierende und thermisch stabile Spiegelsysteme entscheidend, um das Laserlicht von der
Strahlquelle bis zur winzigen Brennstoffkugel zu transportieren. Im neuen Forschungsprojekt SHARP werden neuartige Hochleistungsspiegel für diesen Zweck entwickelt. Das Projekt wird mit 8,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Entwicklung einer neuen Generation hochreflektierender Laserspiegel

Ziel des Verbundprojekts SHARP („Skalierbare Highpower Reflektoren für Petawatt„) ist die Entwicklung einer neuen Generation hochreflektierender Laserspiegel, die den extremen Anforderungen zukünftiger Petawatt-Laserfusionsreaktoren gerecht werden. Zu diesem Zweck sollen großflächige und intern gekühlte optische Hochleistungsspiegelsysteme entwickelt werden, die es so bisher noch nicht gibt.

„Das Projekt SHARP soll zu neuen Fertigungstechnologien führen, die großflächige Spiegel mit neuartigen Eigenschaften ermöglichen“, erklärt Dr. Yakup Gönüllü von SCHOTT. Er koordiniert das neue Verbundprojekt, das mit einer Kickoff-Veranstaltung am 04. März nun offiziell in seine dreijährige Laufzeit gestartet ist. „Diese Hochleistungsspiegel stellen einen unverzichtbaren Beitrag zur Realisierung kommerzieller Laserfusionskraftwerke im zuverlässigen Dauerbetrieb dar“, so Gönüllü weiter.

Das Forschungsprojekt hat ein Gesamtvolumen von 10,4 Millionen Euro, von denen 8,4 Millionen Euro im Rahmen der „Initiative Basistechnologien für die Fusion – auf dem Weg zu einem Fusionskraftwerk“ vom BMBF gefördert werden.

Neue Fertigungstechnologien für Dauerbetrieb kommerzieller Laserkraftwerke

Frühere Arbeiten zu Laserspiegelsystemen haben den thermischen Aspekt nicht berücksichtigt. Zukünftig wird der absorptionsinduzierte thermische Energieeintrag in die Spiegelsysteme im Dauerbetrieb von lasergetriebenen Fusionskraftwerke jedoch entscheidend sein. Schlüsseleigenschaften der im Projekt zu entwickelnden
Hochleistungsspiegel sind daher höchste optische Qualität sowie ein neuartiges Wärmemanagement für die verwendeten optischen Komponenten.

Neben der thermischen Stabilität der neuartigen Spiegel ist auch die Skalierbarkeit der Technologie ein zentraler Faktor des Projektes. Effiziente Fertigungsprozesse sollen zur Wirtschaftlichkeit sowie ökologischen Bilanz und somit zur Kommerzialisierung von Laserfusionskraftwerken beitragen.

Entwicklung wissenschaftlich-technischer Grundlagen

Um dieses Ziel zu erreichen, sollen im Verbund SHARP die wissenschaftlich-technischen Grundlagen für neuartige Fertigungstechnologien für superpolierte, gekrümmte, großflächige Optiken sowie Methoden zur Entfernung unvollkommener Substratbereiche und sogenannte „Null-Fehler“-Reinigungsstrategien entwickelt werden. Für die thermische Stabilisierung und aktive Kühlung werden neuartige integrierte Kühlstrukturen in Glassubstraten und thermomechanische Effekte in die Schichtentwicklung einbezogen.

„Die Herausforderung besteht darin, dass die Laserspiegel über lange Zeit extremen Belastungen standhalten müssen“, erklärt Dr. Nadja Felde, zuständige Projektkoordinatorin am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena. „Der Hauptaspekt in diesem Forschungsprojekt ist daher das Verständnis und die Kontrolle der thermischen Eigenschaften von großflächigen Spiegelsystemen in Design und Fertigung unter Beibehaltung der Reflektivität auf höchstem Niveau.“

Eine Forschende hält einen hochreflektierenden Spiegel für Laseranwendungen in der Hand.  Die Technologie soll für die Laserfusion optimiert werden.
Eine Forschende hält einen hochreflektierenden Spiegel für Laseranwendungen in der Hand. Die Technologie soll für die Laserfusion optimiert werden.
Anwendungspotentiale über die Laserfusion hinaus

Über die Potentiale der anvisierten Ergebnisse im SHARP-Verbund ergänzt Prof. Dr. Thomas Höche vom Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS aus Halle (Saale): „Über die Laserfusion hinaus haben die angestrebten Entwicklungen ein großes Potential für Anwendungen in weitere Zukunftsmärkten, insbesondere für Hochleistungslaseranwendungen und die Lasermaterialbearbeitung, aber auch in der Raumfahrt sowie speziell auch für die nächste Generation von Substraten und Beschichtungen für die EUV-Lithografie.“

Partner aus Industrie und Forschung im Projekt SHARP

Das SHARP-Konsortium wird von der Schott AG koordiniert und vereint führende Unternehmen und Institute aus dem Bereich der optischen Prozesskette, darunter Layertec GmbH, asphericon GmbH, 3D-Micromac AG, optiX fab GmbH, Cutting Edge Coatings GmbH, robeko GmbH & Co. KG, Laser Zentrum Hannover e. V. sowie das Fraunhofer IOF und das Fraunhofer IMWS.

Laserfusion: Saubere Energie durch Verschmelzung von Atomkernen

Die Laserfusion ist von der Natur inspiriert: Ähnlich wie es auf der Sonne geschieht, soll durch die Verschmelzung von Atomkernen Energie gewonnen werden. In einem Laserfusionskraftwerk werden dafür mehrere Hochleistungslaser auf eine Brennstoffkapsel gerichtet, um diese bei extrem hohen Temperaturen zu verdampfen und anschließend die Atomkerne unter hohem Druck zu verschmelzen.

Bei diesem Prozess wirken enorme Kräfte: Die Laserstrahlung in einem Fusionskraftwerk bewegt sich in der Größenordnung von mehreren Petawatt. Zum Vergleich: Ein Petawatt entspricht 1.000.000.000.000.000 Watt. Ein Kohle- oder Kraftwerk hat eine Leistung von 1.000.000.000 Watt, ein handelsüblicher Wasserkocher 2.000 Watt.

Geleitet werden die Laserstrahlen über spezielle Spiegelsysteme, die sowohl optisch als auch mechanisch und thermisch besondere Eigenschaften aufweisen müssen. Eine Kombination der erforderlichen Eigenschaften konnte bisher so noch nicht realisiert werden. Das will das Konsortium im neuen Forschungsverbund SHARP durch die Entwicklung neuer Fertigungstechnologien sowie der Realisierung neuartiger Laserspiegel für den Einsatz im Petawatt-Bereich ändern.

(Quelle: Pressemeldung Fraunhofer IOF)

Schlagworte

AtomkernBeschichtungEnergieFertigungsprozesseHochleistungslaserLaseranwendungenLaserkraftwerkLaserstrahlOptikenSchmelze

Verwandte Artikel

09.03.2026

Wirksamer Schutz für thermische Spritzschichten

Die diesjährige ITSC – International Thermal Spray Conference & Exposition findet vom 18. bis 20. März 2026 in Bangkok/Thailand statt. Diamant Polymer GmbH ist als Ausste...

Beschichtung Dichtstoffe ITSC Konferenz Poren Schichten Schutz Spritzen Spritzschichten Thermisches Spritzen Veranstaltung Versiegelung
Mehr erfahren
07.03.2026

Keramikkompetenz und Technologien für das Thermische Spritzen

Die diesjährige ITSC – International Thermal Spray Conference & Exposition findet vom 18. bis 20. März 2026 in Bangkok/Thailand statt. Saint-Gobain Coating Solutions ist...

Beschichtung Halbleiterindustrie ITSC Keramische Werkstoffe Konferenz Luft- und Raumfahrt Schichten Technologien Thermisches Spritzen
Mehr erfahren
Die kompakten LED-UV-Köpfe der bluepoint LED eco eignen sich besonders für das Aushärten von Klebstoffen im Active Alignment
04.03.2026

Kompakte LED-Köpfe entwickelt

Der UV-Technologiehersteller Hoenle hat für sein LED-UV-Aushärtegerät bluepoint LED eco neue LED-Köpfe entwickelt.

Aushärten Fertigungsprozesse Kleben Klebstoffe LED UV UV-Aushärtung
Mehr erfahren
26.02.2026

Elektronenstrahlschweißtechnik für Statoren von Elektromotoren

Cambridge Vacuum Engineering nimmt an der Coiltech Deutschland 2026 teil, um seine Elektronenstrahlschweißlösungen zu präsentieren. Die Messe findet vom 25. bis 26. März...

Aluminium Automobilindustrie Elektromotoren Elektronenstrahlschweißen Fertigungsprozesse Generatoren Kupfer Schweißen Schweißtechnik
Mehr erfahren
Auch in diesem Jahr haben Branchenexperten aus Industrie und Forschung wieder die Möglichkeit, sich beim VDI-Kongress PIAE über aktuelle Kunststoffanwendungen im Automobilbereich zu informieren.
24.02.2026

VDI-Kongress PIAE mit neuem Veranstaltungsort

Seit über vier Jahrzehnten dreht sich beim VDI-Kongress PIAE (Plastics in Automotive Engineering) alles um Kunststoffe im Automobilbau – in diesem Jahr erstmals im Kongre...

Automobilbau Automotive Fertigungsprozesse Kunststoffe Leichtbau Recycling Werkstoffe
Mehr erfahren