Anwenderbericht
Zylindrizität, Fluchtung und Koaxialität müssen auf ein bis drei Hundertstel genau sein. - © Jebens GmbH/Jung Großmechanik
30.03.2022

Retrofitting: Doppelt hält besser

Retrofitting: Doppelt hält besser

Wenn eine 2.500-Tonnen-Presse ein Kopfstück braucht, das mehr Leistung, Präzision und Haltbarkeit gewährleisten soll, sind die besten Spezialisten ihres jeweiligen Fachgebietes gefragt. Als globaler Systemlieferant für Stanz- und Umformautomaten mit 75-jähriger Erfahrung ist ANDRITZ Kaiser GmbH so ein ausgewiesener Experte, den der Automobilzulieferer voestalpine Automotive Components Schmölln GmbH deshalb mit dem Retrofitting betraute. Den Bau des Kopfstücks und das gesamte Projektmanagement übernahm die Jebens GmbH aus Korntal-Münchingen, führend bei Maßarbeit in Stahl für Brennteile und große Schweißkonstruktionen.

ANDRITZ Kaiser entwickelt, konstruiert und produziert schlüsselfertige Anlagen von 630 kN bis 25.000 kN – Einzelautomaten ebenso wie komplette Fertigungslinien. Diese auf die individuellen Kundenanforderungen – auch jenseits gängiger Normgrößen – maßgeschneiderten Automaten werden wegen ihrer herausragenden Steifigkeit weltweit geschätzt. Zum Ruf von ANDRITZ Kaiser als technischer Marktführer tragen ihre konstant hohe Stanzpräzision dank vorgespanntem, spielfreien Führungssystem sowie die exakte Wiederholgenauigkeit der Stößelbewegung bei. Sie gewährleistet neben optimaler Teilequalität einen geringeren Verschleiß von Anlage und Werkzeug.

Seit 2004 gehört das Unternehmen mit 125 Mitarbeitern zur ANDRITZ-Gruppe und verbindet dadurch die Flexibilität und Kreativität eines Mittelständlers mit der Stärke eines Weltkonzerns. Die Qualität und Technologie der ANDRITZ Kaiser-Automaten schätzt die vorwiegend mittelständische Kundschaft aus Automobilzuliefer-, Beschlag-, Haushaltsgeräte- und Elektromotorenindustrie seit Jahrzehnten. So auch die voestalpine Automotive Components, die einbaufertige Stanz- und Umformteile sowie Baugruppen für die Automobilindustrie fertigt. Wie bei den meisten Kunden von ANDRITZ Kaiser sind hier gleich mehrere Maschinen des Traditionsherstellers im Einsatz. Die 2.500-Tonnen-Presse vom Typ KSTU4Q 25000-60-15SR aus dem Jahr 2006 war den veränderten Anforderungen nicht mehr gewachsen, weshalb ANDRITZ Kaiser mit dem Retrofitting des Kopfstücks beauftragt wurde.

Diese mechanische Exzenterwellenpresse mit Querwellen und vier Pleueln ist eine der größten, die der Pressenbauer aus Bretten je gebaut hat: 12.600 Millimeter hoch, davon 3.500 Millimeter unterflur eingebaut, 10.000 Millimeter tief und 500 Tonnen schwer. Die Tischlänge beträgt 6.000 Millimeter. Mit einem Vierwand-Kopfstück – in Längsrichtung zwei äußere und mittig innenliegend zwei weitere Wände mit Wellendurchführung – gewährleistet sie höchste Steifigkeit und Genauigkeit. Vier 12.000 Millimeter lange, schraubenförmige Zuganker verspannen das Kopfstück mit der Presse. Die Vorgabe für sein Retrofitting lautete, bei möglichst umfangreicher Weiterverwendung vorhandener Teile die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer zu erhöhen.

Die 2.500-Tonnen-Presse vom Typ KSTU4Q 25000-60-15SR aus dem Jahr 2006 war den veränderten Anforderungen nicht mehr gewachsen, weshalb ANDRITZ Kaiser mit dem Retrofitting des Kopfstücks beauftragt wurde. - © Jebens GmbH/ANDRITZ Kaiser
Die 2.500-Tonnen-Presse vom Typ KSTU4Q 25000-60-15SR aus dem Jahr 2006 war den veränderten Anforderungen nicht mehr gewachsen, weshalb ANDRITZ Kaiser mit dem Retrofitting des Kopfstücks beauftragt wurde. © Jebens GmbH/ANDRITZ Kaiser
Fluchten auf wenige Hundertstel genau

Die mechanische Endbearbeitung dieser Bohrungen erfolgte bei Jung Großmechanik auf einem Skoda-Bohrwerk nach den strikten Anforderungen von ANDRITZ Kaiser für Form- und Lagetoleranz. „Um eine 500 Millimeter dicke Welle durch vier Wände hindurchzuführen und die nötige Steifigkeit zu gewährleisten, müssen Zylindrizität, Fluchtung und Koaxialität auf ein bis drei Hundertstel genau sein“, so Steffen Groß. Damit während dieser Bearbeitung keine Vibrationen auftreten, hatte Jebens an den Zwischenwänden spezielle Verstärkungen montiert. Das exakte Fluchten erfolgte abschließend bei Jung Großmechanik gemeinsam mit ANDRITZ Kaiser per Lasertracker. Jebens hatte dafür extra kleine Bohrungen für Nullpunktmesser angebracht, sodass das Messergebnis auch später immer wieder nachvollzogen werden kann.

Beim Transport des fertigen Kopfstückes zum Kunden war angesichts der verbindlichen Lieferterminvorgabe von voestalpine Automotive Components das Organisationstalent von Jebens ein weiteres Mal gefragt: Der geplante Nachttransport wurde wegen eines Unfalls auf der Strecke durch die Polizei abgesagt, sodass kurzfristig ein Tagtransport mit entsprechender Polizeibegleitung organisiert werden musste. Auch hier bewies das Unternehmen seine Kompetenz in ebenso komplexer wie reibungsloser Projektsteuerung – zur vollen Zufriedenheit von ANDRITZ Kaiser. „Jebens ist bei so knackigen Lieferzeiten, wie wir sie fordern, top in Projektmanagement und Kommunikation“, lobt Joachim Bolz. Steffen Groß ergänzt: „Mit Jebens haben wir wirklich einen patenten Partner!“

(Quelle: Jebens GmbH)

Schlagworte

AutomobilzuliefrindustrieBrennschneidenFräsenRetrofittingSchweißkonstruktionenStahlbauStanzenUmformenZulieferindustrie

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