Veranstaltung
© AiF, Frauke Frodl
25.06.2024

Transfer und Normung sichern Ideen für den Fortschritt

Transfer und Normung sichern Ideen für den Fortschritt

„Wenn am Ende die Praxis nicht funktioniert, weil die Normung fehlt, haben wir nichts gewonnen. Deshalb ist die Zusammenarbeit von DIN, DKE und AiF bereits am Anfang der anwendungsorientierten Gemeinschaftsforschung von Unternehmen und Wissenschaft so wertvoll“, erklärte Thomas Reiche, Vorstand der AiF – Allianz für Industrie und Forschung und Geschäftsführer des FEhS – Institutes für Baustoff-Forschung, auf einer Vernetzungsveranstaltung zur Zukunft von Standards am 12. Juni 2024 auf dem Dach des DIN e. V. in Berlin.

Vertreterinnen und Vertreter von forschungsaffinen mittelständischen Unternehmen, Start-ups, des DIN, der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE), des Mittelstand-Digital Zentrums Ländliche Regionen und der AiF sowie weitere Interessenten tauschten ihre Expertise mit Sicht auf den Transformationsprozess der deutschen Wirtschaft am Vorabend des Innovationstages Mittelstand 2024 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz aus.

„Normung ist ein Transferinstrument, um die Marktfähigkeit von Produkten und Produktionsverfahren wesentlich zu unterstützen. Dazu identifizieren wir Zukunftsthemen mit dem Ziel, in der internationalen Normung zu agieren statt zu reagieren“, hob Sibylle Gabler, Mitglied der DIN-Geschäftsleitung, in ihrer Begrüßung hervor. Gabler ist darüber hinaus Mitglied im AiF-Senat. Dr. Stefan Heusinger von der DKE würdigte: „Ideen für den Fortschritt kommen zum großen Teil aus dem Mittelstand. Die deutsche Normungsstrategie der Bundesregierung unterstützt die Verbreitung dieser Ideen.“ Insbesondere die Kooperation mit der AiF als Vertreter der anwendungsnahen Forschung schätzt er dabei als sehr fruchtbar ein.

Investitionen im digitalen Bereich seit 2018 verdreifacht

Die „unglaublich wichtige Rolle der Standardisierung und Normung für die Digitalisierung und den Datenaustausch“ wird sich laut Martin Lundborg, Abteilungsleiter im WIK Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH in Bad Honnef und Leiter der Begleitforschung "Mittelstand-Digital", in den kommenden Jahren viel mehr verstärken. In seiner Keynote auf der Veranstaltung erwähnt er, dass sich „gerade im digitalen Bereich die Investitionen seit 2018 verdreifacht haben“ und erklärt in Bezug auf die Zukunft von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU): „Bis 2030 werden alle Geräte, Maschinen, Anlagen und sogar ganze Unternehmen miteinander verbunden sein, um Daten auszutauschen.“ Daraus würden neue Geschäftsmodelle entstehen, die nur mit einer standarisierten und normierten Datenaustausch profitabel umsetzbar sind.

Dr. Muhamed Kudic, Leiter des Mittelstand-Digital Zentrums Ländliche Regionen stellte die Arbeit seines Zentrums, eines von 29 bundesweit, vor. Die Kernidee von Mittelstand-Digital ist: KMU möglichst praxisnah und anbieterneutral durch bedarfsorientierte Transferformate bei der Digitalisierung zu unterstützen. Dabei stünde der Mensch immer im Mittelpunkt, betonte Kudic und sagte weiter: „Es sollen bestehende Forschungsinhalte und Erkenntnisse zur betrieblichen Einführung von digitalen Technologien und KI-Anwendungen in der Praxis nutzbar gemacht werden.“ Dabei fände aber keine klassische Beratung statt, sondern vielmehr werden begleitende Impulse im Kontext einer praxisnahen Problemidentifikation, Implementierung und Nutzung gegeben. Das Angebotsportfolio des Mittelstand-Digital Zentrum Ländliche Regionen ist vielfältig. Dazu gehören Informationsveranstaltungen und Sensibilisierungsangebote, Qualifizierungsformate und -angebote, die konkrete Umsetzung prototypischer Lösungen im Betrieb sowie Vernetzung und der Wissenstransfer in Zusammenarbeit mit anderen Partnern und Multiplikatoren.

In Elevators Pitches und darüber hinaus diskutierten die Expertinnen und Experten aus der Forschung und Normung zukünftige Herausforderungen aus den Bereichen Green IT, Biodiversität, Ressourcensicherung und Carbon Use Storage. Der Abend auf der Dachterrasse des DIN bot direkte Möglichkeiten zur persönlichen und institutionellen Vernetzung.

Kooperation von DIN, DKE und AiF zugunsten des forschenden Mittelstandes

DIN, DKE und AiF unterzeichneten Ende November 2023 eine Absichtserklärung und bekundeten damit ihre engere Zusammenarbeit zugunsten des forschenden Mittestandes. Gemeinsames Ziel ist es, die Innovationskraft des Industriestandortes Deutschland nachhaltig zu steigern. Die drei Organisationen kooperieren, insbesondere in den Zukunftsbereichen Circular Economy, Wasserstofftechnologien, Künstliche Intelligenz/IoT, Ressourceneffizienz, Transformation des Energiesystems sowie Foresight (strategische Vorausschau) und anderen Innovationsthemen. Die Intention dabei ist, die Forschungsergebnisse über den Weg der Normung und Standardisierung neben den bisher in den Forschungsvereinigungen etablierten Prozessen für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen.

(Quelle: Presseinformation der AiF Allianz für Industrie und Forschung)

Schlagworte

DigitalisierungForschungMittelstandNormung

Verwandte Artikel

Der KR Fortec ultra MT wurde speziell für Anwendungen entwickelt, die hohe Prozesskräfte, Steifigkeit und Präzision erfordern.
28.09.2026

Forschungsplattform für robotergestütztes Rührreibschweißen

Die Hochschule Magdeburg-Stendal setzt auf KUKA Technologie für die Entwicklung industrieller FSW-Anwendungen der nächsten Generation.

Entwicklung Fertigungsprozesse Forschung FSW Hochschulen Maschinenbau Roboter Roboterschweißen Roboterzelle Rührreibschweißen Schweißen Universität
Mehr erfahren
Das Bild dient als grafische Darstellung der Themen der NexGeM.
27.09.2026

NexGeM: Neue Messe für Digitalisierung im Werkzeugmaschinenbau

KI, Digitalisierung, Automation und datenbasierte Prozesse verändern die industrielle Produktion. Mit der NexGeM entsteht parallel zur Hannover Messe 2027 eine Plattform...

Automation Digitalisierung Effizienz KI Künstliche Intelligenz Messe Produktivität Werkzeugmaschinen Werkzeugmaschinenbau Wertschöpfungskette Wettbewerbsfähigkeit
Mehr erfahren
Ingenieurarbeitsmarkt: VDI ordnet ein und zeigt Potenziale
27.09.2026

VDI/IW-Ingenieurmonitor zum Strukturwandel am Arbeitsmarkt

VDI/IW-Ingenieurmonitor: Konjunkturelle Schwäche trifft derzeit auf einen Arbeitsmarkt im Wandel – doch der Fachkräftebedarf bleibt strukturell hoch. Der VDI sieht Re-Ski...

Arbeitsmarkt Digitalisierung Energiesektor Fachkräftemangel Informatik Ingenieurwesen Medizintechnik Re-Skilling Strukturwandel
Mehr erfahren
Mobiler Serviceroboter mit Sensorleiste vor einem Regal in einer Lagerhalle
26.09.2026

Servicerobotik wechselt den Rechtsrahmen

Roboter, deren Sicherheitsfunktion sich im Betrieb selbst weiterentwickelt, werden über das Maschinenrecht geregelt. Die Verordnung (EU) 2026/1744 wurde am 24. Juli 2026...

Automatisierung Europäische Kommission Maschinenrecht Maschinenverordnung Normung Roboter
Mehr erfahren
Mikrowellen-Radarsensor bei der Messung der Aushärtung eines Klebstoffes
25.09.2026

Startschuss für das Projekt „KlimRa“

Wie lässt sich die Aushärtung von Kleb- und Dichtstoffen schnell, zuverlässig und zerstörungsfrei überwachen? Dieser Frage widmet sich das neue Forschungsprojekt „KlimRa“...

Aushärtung Bauteile Dichtstoffe Forschung Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Klebstoffe Kunststoff Mikrowellen Sensorik Verbundmaterialien Zerstörungsfrei
Mehr erfahren