Kommentar
Paul Nickel und Dr. Niels Hammer - © NIMAK GmbH
21.05.2019

Von Roboter-Schweißzangen und Klebetechnolgien

Herr Nickel, Ihr Unternehmen NIMAK ist heute der größte deutsche Hersteller von Roboter-Schweißzangen und zählt dabei und generell auf dem Gebiet der Widerstandsschweiß-Technik zu den weltweit führenden Unternehmen. Wie ist es dazu gekommen?

Paul Nickel: Mein Vater, der unser Unternehmen vor mehr als 50 Jahren gründete, hatte den richtigen Riecher. Er erkannte relativ schnell die hochinteressanten Potenziale der Widerstandsschweiß-Technik. Mit der Erfindung der Roboter-Schweißzange löste er auf diesem Gebiet bald eine Effizienz-Revolution aus. Diese ist heute in vielen Produktionsbereichen – man denke nur an die Automobilindustrie – gar nicht mehr wegzudenken. NIMAK hat dieser Technologie zum weltweiten Durchbruch verholfen.

Eine in der ganzen Firmenhistorie konsequent verfolgte Innovationsstrategie ist gewiss ebenfalls Grund für unsere erfreuliche Entwicklung. Aber auch andere wegweisende Entscheidungen haben uns auf der Erfolgsspur weitergebracht.

Paul Nickel, Geschäftsführender Gesellschafter der NIMAK GmbH - © NIMAK GmbH
Paul Nickel, Geschäftsführender Gesellschafter der NIMAK GmbH © NIMAK GmbH

So haben wir im Jahr 2014 die früher getrennten Produktionsstandorte in Nisterberg und Wissen-Köttingen sowie ein Jahr später den am Standort Spich angesiedelten Bereich Klebetechnik an unserem heutigen Firmensitz in Wissen-Frankenthal zusammengeführt. Das war sicherlich eine wichtige Grundlage für unser weiteres Wachstum.

Stichwort Klebe- und Dosiertechnologie, ein relativ neuer Bereich bei NIMAK, für den Sie, Herr Dr. Hammer, neben der Automation verantwortlich sind. Was waren die Gründe für diese Erweiterung?

Dr. Niels Hammer: Auch wenn das Punktschweißen mit Roboter-Schweißzangen noch immer die schnellste und wirtschaftlichste Fügetechnik ist, wird der Markt dafür in den nächsten 15 Jahren eher stagnieren oder gar rückläufig sein. Heute haben wir zum Beispiel beim Bau eines Autos noch etwa 3.000 bis 5.000 Schweißpunkte. Das wird in Zukunft weniger sein. Zunehmend haben wir es mit einem Multimaterial-Mix zu tun, der eine Gewichtsreduzierung ermöglicht. Die Klebetechnik spielt dabei eine große Rolle. NIMAK hat sich rechtzeitig auf diese Entwicklung eingestellt und die angebotene Technologie komplett selbst entwickelt.

Mit welchen Produkten ist NIMAK darüber hinaus erfolgreich?

Dr. Niels Hammer: Neben den Roboter-Schweißzangen bieten wir auch Hand-Schweißzangen an. Diese kommen bei sporadisch anfallenden Punktschweiß-Aufgaben, für die serielle Fertigung oder für flexibel einsetzbare Nacharbeiten zum Einsatz. Auch für Märkte, in denen manuelle Fertigung noch eine größere Bedeutung hat, zum Beispiel in der russischen, indonesischen und thailändischen Automobilindustrie, spielen sie eine wichtige Rolle. Darüber hinaus gehören Automationslösungen und Sonderanlagen zu unserem Produkt-Portfolio.

Herr Nickel, ist NIMAK ein Hidden Champion?

Paul Nickel: Das kann man wohl so sagen. In unserem Kundenkreis und bei den relevanten Ansprechpartnern sind wir natürlich eine Größe. Auf dem Gebiet der Roboter-Schweißzangen freuen wir uns über einen Bekanntheitsgrad von annähernd 100 Prozent. Auch bei unseren Automationslösungen und Sonderanlagen kennt uns bestimmt die Hälfte aller potenziellen Auftraggeber. Und in unserem relativ neuen Geschäftsbereich Klebetechnik nimmt die Bekanntheit schnell zu. Dazu hat sicherlich auch ein Großauftrag von BMW beigetragen. Gleichwohl ist NIMAK ein mittelständisches Unternehmen, dessen Name vielen natürlich nicht bekannt ist. Auch wenn unsere Produkte an der Herstellung von mehr als 70 Prozent der deutschen Autos beteiligt sind und auch in vielen anderen Bereichen, zum Beispiel in der Hausgeräte- Produktion, zum Einsatz kommen, sind unsere Leistungen im Endprodukt eben nicht sichtbar. Insofern kennt uns halt nicht jeder.

NIMAK ist bei Kunden und Anwendern als Technologieführer etabliert. Wie ist es dazu gekommen?

Paul Nickel: Unsere Schweißtechnik ist im Hinblick auf Durchsatz, Frequenz und Schweißpunktqualität, aber auch hinsichtlich der Langlebigkeit, Ergonomie und Flexibilität überzeugend. Innovation ist für uns der Wachstumstreiber schlechthin. Für die konsequente Weiterentwicklung unserer Produkte und Technologien tun wir eine Menge. Unsere Investitionsquote ist mit über 44 Prozent überdurchschnittlich hoch. Für uns ist es seit jeher normal, die Gewinne zu thesaurieren, also im Unternehmen zu belassen. Als ganz wichtig für unsere Forschung und Entwicklung sehen wir auch die enge Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten, Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalten sowie Universitäten.

Herr Dr. Hammer, welche Innovationen sind denn für NIMAK von besonderer Bedeutung?

Dr. Niels Hammer: Da gibt es einige, aber ich will mich auf ein paar herausragende Beispiele konzentrieren. Mit „multiframeGUN“ haben wir eine Roboter-Schweißzange entwickelt, die dank ihres modularen Baukastensystems höchste Flexibilität und einen superschlanken Aufbau mit reduziertem Zangengewicht bietet, sich aber auch wegen einer stark reduzierten Teilevielfalt durch eine kostengünstige Produktion und hohe Lieferfähigkeit auszeichnet.

Darüber hinaus hat NIMAK im Jahr 2011 die erste Roboter-Schweißzange mit Kondensator-Entladung auf den Markt gebracht. Da diese keine Wasserkühlung und Druckluft benötig und mit einer sehr geringen Stromleistung auskommt, ist mit dieser Technik eine starke Reduzierung der Investitionskosten möglich.

Und im Bereich der Klebetechnik ist der von uns entwickelte „a.tron“- Dosierer das Maß der Dinge und ermöglicht ein hohes Maß an Dynamik und Präzision in der Auftragung. In diesem Jahr haben wir bereits die zweite Generation dieser Technologie präsentiert. Sie ermöglicht einen deutlich geringeren Verkabelungsaufwand, den Wegfall eines Steuerungsschrankes und bei gleicher Performance einen günstigeren Preis.

Dr. Niels Hammer, Geschäftsführer der NIMAK GmbH - © NIMAK GmbH
Dr. Niels Hammer, Geschäftsführer der NIMAK GmbH © NIMAK GmbH

Welche Branchen spricht NIMAK mit diesen Lösungen an?

Paul Nickel: Traditionell ist die Automobilindustrie mit Abstand der wichtigste Auftraggeber. Unser Erfolg hängt ganz eng mit dem Siegeszug der dort eingesetzten Roboter zusammen. Weltweit sind wir der einzige Anbieter, der für alle Premium-Hersteller in dieser Branche als Lieferant freigegeben ist. Aber zunehmend sind natürlich auch andere Branchen für uns von großer Bedeutung. Dazu gehören Konsumgüter genauso wie Hersteller von Haushaltsgeräten. So sind unsere Technologien beispielsweise in der Produktion von Waschmaschinen, aber auch von Bratpfannen und Gemüsereiben gefragt. Darüber hinaus beliefern wir Unternehmen in der Luft- und Raumfahrt sowie im gesamten Bereich der Metallbearbeitung.

Auf welchen Märkten spielt dabei für Sie die Musik?

Paul Nickel: NIMAK ist rund um die Welt vertreten. Unser Exportanteil beläuft sich auf mehr als 50 Prozent. Neben europäischen Ländern sind für uns insbesondere die Märkte in China, Mexiko, den USA, Russland und Brasilien von besonderer Bedeutung. Gleichwohl ist der deutsche Markt für uns besonders wichtig. Nicht nur, weil wir hier einen signifikanten Anteil unseres Umsatzes erwirtschaften, sondern auch, weil wir vielen deutschen Kunden – gerade aus der Automobilindustrie – zu ihren internationalen Produktionsstätten folgen. So arbeiten wir zum Beispiel in den USA für VW, BMW und Daimler.

Herr Dr. Hammer, einige Aspekte für die besonderen Stärken Ihres Unternehmens haben Sie uns bereits bei den beschriebenen Innovationen genannt. Was zeichnet NIMAK darüber hinaus im Wettbewerb aus?

Dr. Niels Hammer: NIMAK ist weltweit das einzige Unternehmen in der Verbindungstechnik, das mit dem Widerstandsschweißen und Kleben zwei hocheffiziente und zukunftsweisende Fügetechniken anbietet. Zusammen mit unseren Automatisierungskonzepten bekommen unsere Kunden damit alles aus einer Hand.

In unserem Technologie-Center erarbeiten wir spezifische Lösungen für ihre Anforderungen. Zudem sind wir in der Lage, komplette Roboterzellen zu konstruieren und errichten, in denen wir auf Wunsch die Verfahrensintegration von Schweißen und Kleben realisieren. Diese Kompetenz ist im Wettbewerbsvergleich einzigartig. Sie verschafft unseren Kunden auch eine hohe Investitionssicherheit, denn diese sind damit für alle Anforderungen und sich in der Zukunft mitunter verändernde Produktionsverfahren gerüstet.

Beim Widerstandsschweißen bietet unser Unternehmen darüber hinaus ein in der Branche einzigartiges Spektrum. Dieses reicht bei der Stromeinbringung vom Gleichstrom über den Wechselstrom und die Mittelfrequenz-Technologie bis hin zur Kondensatorentladungs-Technik. Bei der einzubringenden Kraft bieten wir servomotorische bzw. elektrische Antriebe genauso an wie pneumatische Systeme und mit dem erwähnten „magneticDrive“ eine dritte herausragende Alternative. Außerdem – um noch einen Punkt zu nennen – sind unsere Produkte ausgesprochen energieeffizient.

© NIMAK GmbH
© NIMAK GmbH

Das alles erfordert sicher ein sehr qualifiziertes Personal und eine hochmotivierte Truppe ...

Paul Nickel: Das ist vollkommen richtig. Der Mensch und Mitarbeiter steht bei NIMAK im Vordergrund und seine Motivation hat oberste Priorität. Zu unserem Selbstverständnis gehören die Übertragung von Verantwortung, genauso wir die Information unserer Mitarbeiter. Wir kommunizieren Monatsergebnisse bis auf die Meister-Ebene und versammeln einmal im Monat alle Mitarbeiter, um sie über den aktuellen Geschäftsverlauf und Neuigkeiten zu unterrichten. Alle Mitarbeiter erhalten zudem eine auf dem monatlichen Betriebsergebnis basierende Prämie. Das alles kommt offenbar sehr gut an, denn wir haben so gut wie keine Fluktuation. Gleichwohl ist der anhaltende Fachkräftemangel auch für uns eine große Herausforderung. Im Zuge unserer Expansion suchen wir dringend sowohl Hochschulabsolventen als auch Facharbeiter. Ihnen können wir das bestimmt attraktive Angebot machen, Teil unserer Erfolgs-Story zu werden.

(Quelle: NIMAK GmbH)

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AutomationAutomobilindustrieDosiertechnologienKlebenPunktschweißenRoboter-SchweißzangenRoboterschweißenWiderstandsschweißen

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