Management
Daniel Reichert, Leiter der Lean & Green-Abteilung der T&O Group
15.12.2024

Was bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts zu beachten ist

Zukunftsfähigkeit zeigen: Was Unternehmen bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts beachten müssen

Ab 2025 verpflichten gesetzliche Richtlinien bestimmte Firmen zur Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts. Warum Unternehmen sich schon vorab mit dem Thema Zukunftsfähigkeit beschäftigen sollten und welche Vorteile für Firmen entstehen, erklärt Nachhaltigkeitsexperte Daniel Reichert, Leiter der Lean & Green-Abteilung der T&O Group.

Wer gehört dazu?

Zunächst gilt es herauszufinden, ob der eigene Betrieb überhaupt berichtspflichtig ist. Ab Januar 2025 müssen alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, einem Nettoumsatz von mindestens 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von mindestens 25 Millionen Euro einen Report erstellen und veröffentlichen. Der sogenannte „Trickle-Down-Effekt“ beschreibt, dass kleinere Unternehmen mit größeren mithalten müssen. Kunden bringen sie durch wachsende Nachfrage dazu, sich auch ohne gesetzliche Anordnung der Berichtspflicht zu beugen. „Mehr Firmen sehen sich im Zugzwang. Dazu kommt noch das Lieferkettengesetz, das ebenfalls mehr Transparenz in der Nachhaltigkeit der Lieferwege fordert“, beschreibt der Lean & Green-Experte. Wünschenswert sei es, allgemeingültige, nachhaltige Standards zu etablieren, die allen Unternehmen als Richtwert dienen.

Der grüne Weg zum Erfolg

Die Liste der Vorteile des Nachhaltigkeitsberichts ist lang. Fragen Kunden etwa nach konkreten Maßnahmen, liegen klare Antworten vor. Ferner stellen Verantwortliche unter Beweis, dass sie sich bereits mit dem Thema beschäftigt haben, die eigenen Schwächen und Stärken kennen und für die Zukunft planen. All das wirkt sich positiv auf die Außenwirkung aus. Intern hilft ein Nachhaltigkeitsbericht bei der Mitarbeiterbindung. Er professionalisiert das Thema Zukunftsfähigkeit und ermöglicht der Firma, sich zu vergleichen. Sie steigt in der Bewerberattraktivität und erhöht die Identifikation bestehender Mitarbeiter. „Je glaubwürdiger der Bericht, desto eher vertrauen auch die Mitarbeiter Versprechen des Unternehmens“, fasst der 44-Jährige zusammen. Ein zusätzlicher Bonus: Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle für Finanz- und Kreditgeber – wer sie lebt und es belegen kann, kommt einfacher an einen Bankkredit.

Was Firmen in einem Nachhaltigkeitsbericht unterbringen müssen, bestimmen die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) als Teil der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). - © pixabay.com/Annette
Was Firmen in einem Nachhaltigkeitsbericht unterbringen müssen, bestimmen die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) als Teil der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). © pixabay.com/Annette
Früh anfangen

Viele Unternehmen schreckt der Dschungel der Nachhaltigkeit ab. Daniel Reichert rät: „Einfach starten! Nicht auf die 120 % warten, sondern so früh wie möglich anfangen, die ersten kleinen Schritte zu gehen.“ Das garantiere eine Lernkurve, bevor plötzlich eine gesetzliche Verpflichtung vor der Tür steht. „Das Thema Nachhaltigkeit leidet unter seinem Image. Viele Firmen verbinden damit intuitiv einen großen Zusatzaufwand“, erklärt der T&O Abteilungsleiter. Zunächst sollten Unternehmen Klarheit schaffen, wo ihre eigenen Ambitionen liegen. Ein erster, unkomplizierter Aufschlag, zum Beispiel in Form eines Workshops, hilft den Nutzen und den kleinstmöglichen Aufwand zu definieren.

Kenne die Pflichten!

Was Firmen in einem Nachhaltigkeitsbericht unterbringen müssen, bestimmen die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) als Teil der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Der Startschuss fällt mit einer Wesentlichkeitsanalyse: Eine genaue Beobachtung der Unternehmensstrukturen offenbart, welche Chancen und Risiken sich zum Thema Nachhaltigkeit auftun und welche Bereiche am meisten auf Umwelt und Menschen einwirken. „Die Analyse klärt, welche Daten der Bericht abdecken muss“, beschreibt Reichert. CSRD und ESRS fordern neben zentralen Themen wie Klimafreundlichkeit, Schutz von Ökosystemen und ressourcenschonendes Wirtschaften auch soziale Nachhaltigkeit. Mit welchen Maßnahmen setzt die Firma interne Sicherheit um? Welchen Stellenwert nehmen die Frauenquote oder Diversität ein? Zukunftsfähigkeit bedeutet mehr als nur Umweltfreundlichkeit.

Kontrolle ist besser!

Governance-Strukturen geben dem Nachhaltigkeitsbericht als Grundstein den nötigen Halt. Interne oder externe Prüfer von Maßnahmen, Datenerfassung und -auswertung sorgen für die Realisierung und Messung von Fortschritten. „Es geht darum, Aufgaben nicht einzeln an Personen zu delegieren, sondern feste Verantwortliche zu haben. Ein großes Netzwerk aus Ansprechpartnern in verschiedenen Bereichen hilft dabei, die eigene Nachhaltigkeit intern effizient zu koordinieren“, betont Reichert.

Nachhaltigkeitsexperte Daniel Reichert, Leiter der Lean & Green-Abteilung der T&O Group. - © T&O Group
Nachhaltigkeitsexperte Daniel Reichert, Leiter der Lean & Green-Abteilung der T&O Group. © T&O Group
Risiken kritisch beleuchten

Ein Nachhaltigkeitsbericht hilft, das Risikomanagement des Unternehmens zu professionalisieren und zukünftige Schwierigkeiten vorauszuahnen. Dazu zählen Klimafolgeschäden und -risiken: „Leider unterschätzen Unternehmen Klimarisiken häufig immer noch drastisch. Oft gibt erst die Erstellung des Reports den Anstoß, sich mit möglichen Klimaschäden und ihrer Bekämpfung zu beschäftigen. Dass ihre eigenen Abteilungen zukünftig auch davon betroffen sein könnten, ist vielen Firmen gar nicht klar“, erklärt Reichert. Eine unterbrochene Supply Chain durch längere Lieferwege, zusätzliche Steuern, kostspielige oder schwindende Ressourcen könnte ein grüner Report frühzeitig enthüllen. „Unternehmen müssen ehrlich mit sich sein und sich kritisch hinterfragen“, betont der Berliner. Manche Firmen hinterfragen nach einer Analyse ihr gesamtes Geschäftsmodell. Beziehen sie etwa einen Großteil ihrer Importe aus China, müssen sie etwaige negative Auswirkungen, zukünftige Risiken und entsprechende Anpassungen herausarbeiten.

Jahrelange Erfahrung lehrte Reichert: Die meisten Unternehmen wachsen mit ihren Aufgaben. Viele Betriebe scheuen am Anfang Aufwand und Kosten und möchten nur essenzielle Punkte abdecken. „Das ändert sich aber meistens ganz schnell“, erzählt der Nachhaltigkeitsexperte. „Nach einer Weile finden Firmen Gefallen an der Methode, wollen immer mehr erfahren und nehmen das Thema Nachhaltigkeit in ihre Unternehmens-DNA auf.“

(Quelle: Pressemitteilung der T&O Group)

Schlagworte

Corporate Sustainability Reporting DirectiveCSRDEuropean Sustainability Reporting StandardsNachhaltigkeitNachhaltigkeitsberichtNachhaltigkeitsberichterstattungRiskiomanagement

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