Forschung
Der Revolver des Manipulators beim Hochvakuum-Laserschweißen - © KTW Systems GmbH
03.05.2019

Weltpremiere: Laserschweißen im Hochvakuum

Weltpremiere: Laserschweißen im Hochvakuum

Für besonders sensitive Anwendungen muss der Schweißprozess im Hochvakuum stattfinden, um das Einlagern von Fremdpartikeln und von reaktiven Gasen zu vermeiden, wie sie auch beim Einsatz von Schutzgasen nicht ausgeschlossen werden können. In solchen Fällen ist das Elektronenschweißen in der Regel das Verfahren der Wahl – allerdings ist es sehr aufwändig und kostspielig im Einsatz.  Mit dem Vakuum-Laser-System des Start-Up-Unternehmens KTW Systems GmbH aus Wehr können diese Nähte zukünftig auch mit dem Laser verschweißt werden. Unabhängig vom Lasertyp, zu deutlich reduzierten Kosten und mit gleichwertigen Schweißergebnissen.

Entkopplung von Laser und Vakuum
Kernidee dieses patentierten Laserschweißsystems ist die Entkopplung von Vakuumkammer und Laserstrahlquelle. Die zu verschweißenden Bauteile werden in der Vakuumkammer positioniert und der Raum anschließend  bis auf 5*10-5 mbar abgepumpt – das entspricht einem Hochvakuum. Abhängig vom Pumpensystem und der Kammergröße dauert der Vorgang des Abpumpens etwa 5 bis 10 Minuten.

Der Laserstrahl wird durch eine Quarz- oder Saphirglasscheibe auf den Schweißpunkt fokussiert. Die Laserstrahlquelle ist frei wählbar. Für die maximal sechs Laserköpfe kann zudem eine individuelle Anzahl an Öffnungen angebracht werden, durch die der Laserstrahl in die Vakuumkammer eindringen kann. Hinzu kommen eine frei wählbare Anzahl an Öffnungen zum Beobachten des Schweißprozesses mit Kameras oder mit bloßem Auge. Die Streustrahlung wird die Kammer und die Schutzgläser absorbiert.

Die Vakuumkammer
Herzstück der Vakuumkammer sind die 6-Achsen-Technologie und die Spannvorrichtung, die ein oder mehrere Bauteile aufnehmen. Die Spanntechnik ist so ausgelegt, dass sie keine Hohlkammern hat, in denen sich Lufteinschlüsse befinden könnte. Die Hohlkammern sind rein mechanisch, um keine weiteren Zuführungen nach außen zu haben, die abgedichtet werden müssten. Die 6-Achsen-Technologie erlaubt es, sämtliche Geometrien zu schweißen und regelt gleichzeitig die Relativbewegung.

In der Größe ist die Vakuumkammer skalierbar ‒ im Durchmesser bis 1.500 mm und in der Länge bis 2.000 mm. Sie kann daher den jeweiligen Applikationen angepasst werden. Auf diese Weise ist die Vakuumkammer jeweils so klein wie möglich und zugleich so groß wie nötig. Eine Optimierung des Volumens der Vakuumkammer reduziert die Pumpzeit und erhöht die Produktivität.

 

Die Einsatzgebiete
Das Laser-Hochvakuumschweißen deckt die gleichen Einsatzgebiete wie das Elektronenstrahlschweißen ab – und geht darüber hinaus. Die Materialdicken betragen dabei bis zu 20 mm – unabhängig vom zu verschweißenden Material und den Materialpaarungen.

Typische Anwendungen finden sich im Bereich Automotiv, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Elektronikindustrie, Petrochemie, Kraftwerksbau, Windenergie, Eisenbahnbau etc.

Schlagworte

ElektronenstrahlschweißenLaserschweißenLaserstrahlschweißenVakuum

Verwandte Artikel

Erfahrungsaustauch am ifw Jena
DVS Group
27.03.2026

DVS gründet Netzwerk für handgeführte Laserstrahlmaterialbearbeitung

„CONNECT HLB“ – so lautet der Name für das neu gegründete Netzwerk des DVS für handgeführte Laserstrahlmaterialbearbeitung von metallischen Werkstoffen.

Handgeführtes Laserstrahlschweißen Handheld Laser Beam HLB Laserstrahl Laserstrahlmaterialbearbeitung Laserstrahlschweißen Netzwerk Normen Regelwerke Schweißtechnik Technologie
Mehr erfahren
Prof. Dr.-Ing. Markus Schleser von der FH Aachen erforscht im Rahmen des Projekts HOLLA das Laserstrahlschweißen.
14.03.2026

Laserstrahlschweißen: Fortschritt für die Fertigung

Wie das Laserstrahlschweißen im Vakuum die Zukunft der Fertigung prägen kann und welche Rolle Patente und Forschungskooperationen dabei spielen, erläutert Prof. Schleser...

Energieeffizienz Erneuerbare Energien Fertigung Hochleistungslaser Laserstrahlschweißen Patente Schlüsseltechnologien Schweißen
Mehr erfahren
Mit MBE haben alle Beteiligten immer Zugriff auf die exakten Parameter und Anforderungen der Schweißprozesse.
10.03.2026

Mit Model-Based Engineering zur digitalen Schweißnaht

Was sind die typischen Stolpersteine bei der Einführung von MBE und wie lassen sich insbesondere schweißlastige Fertigungsprozesse (z. B. robotergestütztes Schweißen) mit...

Digitale Schweißnaht Fertigung Laserstrahlschweißen MBE Model-Based Engineering Nahtarten Prozesskette Roboterschweißen Schweißnaht Schweißparameter
Mehr erfahren
Blick auf die Schweißanlage von Steigerwald Strahltechnik bei CERN
04.03.2026

Lieferung einer Hochpräzisions-Schweißanlage an Forschungszentrum

Steigerwald Strahltechnik liefert eine Hochpräzisions-Schweißanlage an CERN zur Fertigung neuer Beryllium-Vakuumrohre für den Teilchenbeschleuniger LHC.

Beryllium Elektronenstrahlschweißen Hochtechnologien Hochvakuum Schlüsseltechnologien Schweißanlage Schweißen Teilchenbeschleuniger
Mehr erfahren
Die Gruppe Thermisches Fügen am Kunststoff-Zentrum SKZ unterstützt Unternehmen der Kunststoffindustrie bei allen Fragen rund um thermische Fügetechnologien.
03.03.2026

Zukunftssichere Fügetechnologien für die Industrie

Das Würzburger Institut SKZ entwickelt mit seiner Forschung Schweißtechnologien für anspruchsvolle Kunststoffanwendungen weiter.

Forschung Fügetechnologien Kunststoffanwendungen Kunststoffe Kunststoffschweißen Laserstrahlschweißen Rezyklate Schweißen Schweißtechnologien Ultraschallschweißen Weiterbildung
Mehr erfahren