Wirtschaft
© pixabay.com/skeeze
28.08.2020

Aluminiumindustrie rechnet mit spürbarer Konjunkturdelle in 2020

Aluminiumindustrie rechnet mit spürbarer Konjunkturdelle in 2020

Die deutsche Aluminiumindustrie hat im ersten Halbjahr einen erheblichen Konjunktureinbruch zu verkraften. Die Erzeugung von Rohmetall sank um mehr als 14 Prozent, die Weiterverarbeitung und die Halbzeugproduktion jeweils mehr als 5 Prozent.

„Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des ersten Halbjahres gerissen. Die immensen Auswirkungen und die Wucht der Corona Pandemie zeigt unsere Ad-hoc-Mitgliederumfrage, die wir zum Ende des zweiten Quartals 2020 durchführten. Mit einem Anteil von 92 Prozent ist der Auftragsmangel die bedeutendste Produktionsbehinderung. Dieser Einbruch macht sich natürlich auch in unseren Abruf- und Produktionszahlen bemerkbar“, erklärte GDA-Geschäftsführer Marius Baader. Viele Kundenbranchen, vor allem die Luftfahrt und die Automobilindustrie, verbuchten starke Umsatzeinbrüche. Viele Mitgliedsunternehmen mussten ihre Fertigung rasch reduzieren oder temporär ganz einstellen. Marius Baader weiter: „Die Bundesregierung hat sehr schnell Hilfspakete für die Unternehmen geschnürt. Die Reaktionsgeschwindigkeit hat den Unternehmen zu Beginn der Krise sehr geholfen.“

Produktionsentwicklung im 1. Halbjahr 2020 negativ

In der Aluminiumindustrie ist der Bereich Rohaluminium vom Konjunktureinbruch am deutlichsten betroffen. Über 14 Prozent Rückgang im ersten Halbjahr mussten die Produzenten verkraften. Die Recyclingunternehmen hatten am meisten zu leiden, deren Produkte vornehmlich beim Aluminiumformguss eingesetzt werden und damit zu 90 Prozent an der Entwicklung der Automobilindustrie hängen. Mit den Werksschließungen der OEM im zweiten Quartal ist auch hier die Produktion größtenteils zum Erliegen gekommen. Insgesamt beträgt der Rückgang im ersten Halbjahr knapp 30 Prozent.

Die Hersteller von Aluminiumhalbzeug mussten ihre Produktion um fünf Prozent einschränken. Die volumenmäßig dominierenden Produktbereiche – Walzprodukte und Strangpressprodukte – sind vom Konjunktureinbruch unterschiedlich betroffen. Die Produktion der Walzwerke ging aufgrund der stabilisierenden Effekte des Verpackungsmarktes lediglich um 2,6 Prozent zurück, während die Hersteller von Profilen, Stangen und Rohren ihre Produktion um über 12 Prozent reduzieren mussten. Der Grund ist auch hier die starke Abhängigkeit von den Automobilwerken.

Die Entwicklung der Aluminiumweiterverarbeiter konnte sich dem negativen Trend ebenfalls nicht entziehen. Die Verpackungsmärkte sind zwar bisher deutlich besser durch die Krise gekommen, jedoch sind die Kapazitäten in den letzten Jahren am Standort Deutschland reduziert worden. Hierdurch fällt die deutsche Produktionsentwicklung hinter die eigentliche Marktentwicklung zurück.

Marius Baader, Geschäftsführer des GDA – Gesamtverband der Aluminiumindustrie e. V. - © GDA
Marius Baader, Geschäftsführer des GDA – Gesamtverband der Aluminiumindustrie e. V. © GDA
Ausblick: Leichte Erholungstendenzen und angespannte handelspolitische Lage

Für die zweite Jahreshälfte ist der Ausblick etwas positiver: Die Automobilindustrie zeigt erste leichte Erholungstendenzen. Die Bauwirtschaft, eine der wichtigsten Kundenbranchen, hat deutlich geringere Rückgänge als erwartet zu verbuchen. Die Mitglieder des GDA rechnen mit einer leichten Erholung in der zweiten Jahreshälfte, allerdings bleibt das Produktionsvolumen des Jahres 2019 auf absehbare Zeit noch außer Reichweite.

„Mit großer Sorge blicken wir auf den zunehmenden Handelskonflikt zwischen Europa und China. China hat in den letzten Jahren eine enorme Menge an Überkapazitäten aufgebaut. Erhebliche Teile hiervon drängen in die Europäische Union. Deshalb hatte die EU bereits im Februar 2020 eine Antidumpinguntersuchung zu Aluminium-Strangpressprodukten mit Ursprung in China eingeleitet. Hinzu gekommen ist aktuell (August 2020) eine neue Untersuchung von bestimmten Aluminium-Walzprodukten, welche den größten Teil der Aluminiumimporte ausmachen. Auch China muss sich an die globalen Regeln des freien und fairen Handels halten. Deshalb begrüßen wir die Überprüfung des Verhaltens der chinesischen Aluminiumindustrie“, erläutert Andreas Postler, Leiter Volkswirtschaft und Handelspolitik.

Die mittelfristige Perspektive für die Aluminiumindustrie bleibt weiterhin sehr gut: „Die Nachfrage nach Aluminium wird global weiter zunehmen und auch in Deutschland ist der Bedarf anhaltend hoch. Der Werkstoff bietet innovative Lösungen für die Fragen der Zeit. Und der Standort Deutschland ist hochwettbewerbsfähig und leistungsstark. Dafür sind maßgeblich ihr hohes Innovationspotenzial und technische Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich”, ergänzt GDA-Geschäftsführer Marius Baader.

Die Produktionsdaten der deutschen Aluminiumindustrie (in Tonnen):
  Januar - Juni 2019 Januar - Juni 2020 Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum
       
Hüttenaluminium 251.400 266.200 5,9 %
Recyclingaluminium 357.900 255.700  - 28,6 %
Aluminium gesamt 609.300  521.900  -14,3 %
       
Walzprodukte  979.800 954.400 - 2,6 %
Strangpressprodukte  282.300  247.100  - 12,5 %
Leitmaterial + Drähte 13.200  10.200 - 22,7 %
Aluminiumhalbzeug gesamt 1.275.300  1.211.700  - 5,0 %
       
Folien und dünne Bänder  145.700  137.600  - 5,6 %
Tuben/Aerosol- und sonstige Dosen  21.800  21.200  - 2,8 %
Metallpulver 17.100  16.300  - 4,7 %
Al-Weiterverarbeitung gesamt  184.600 175.100  - 5,1 %

(Datenquellen: GDA und Statistisches Bundesamt; Daten teilweise vorläufig.)

(Quelle: Presseinformation des GDA – Gesamtverband der Aluminiumindustrie e. V.)

Schlagworte

AluminiumAutomobilindustrieLuftfahrttechnik

Verwandte Artikel

07.03.2026

8. Joining Smart Technologies Konferenz

Am 20. und 21. Mai 2026 findet die achte Internationale Automobilkonferenz statt. Hauptthemen sind Nachhaltigkeit, Internationalisierung in herausfordernden Zeiten und de...

Automobilbau Automobilindustrie Fügeprozesse Fügetechnik KI Konferenz Künstliche Intelligenz Nachhaltigkeit
Mehr erfahren
26.02.2026

Elektronenstrahlschweißtechnik für Statoren von Elektromotoren

Cambridge Vacuum Engineering nimmt an der Coiltech Deutschland 2026 teil, um seine Elektronenstrahlschweißlösungen zu präsentieren. Die Messe findet vom 25. bis 26. März...

Aluminium Automobilindustrie Elektromotoren Elektronenstrahlschweißen Fertigungsprozesse Generatoren Kupfer Schweißen Schweißtechnik
Mehr erfahren
19.02.2026

Haftung von Verbundwerkstoffen mit Plasmatechnologie

Auf der JEC World 2026 präsentiert die Plasmatreat GmbH vom 10.-12. März 2026 in Paris seine Plasmatechnologie für die industrielle Vorbehandlung von Verbundwerkstoffen.

Automobilindustrie Klebstoffe Luft- und Raumfahrt Oberflächenbehandlung Plasma Plasmatechnologie Qualitätssicherung Verbundwerkstoffe
Mehr erfahren
16.02.2026

Roemheld präsentiert neuen innovativen Kompaktspanner

Ein neu entwickelter hydraulischer Kompaktspanner mit horizontalem Hub ermöglicht erstmals das direkte Spannen in kleinsten geschlossenen Taschen, Nuten und Aussparungen.

Aluminium Fertigung KI Kinematik Messungen Prozesssicherheit Werkzeug
Mehr erfahren
31.01.2026

Benefits of CNC Machining for Custom Robotic Projects

CNC precision machining remains one of the most direct ways to help to turn a concept into a repeatable, production-ready system.

Aluminium Automation CAM/CAD CNC Metal Milling Robotics Robots Sheet Metal Steel
Read more