Regelwerke Wissenswertes
Manuelle Leitungssatzfertigung - © Telsonic
05.04.2026

DIN 72036 schafft klare Designrichtlinien

Bislang wurde die Produktion von Leitungssätzen überwiegend manuell durchgeführt, unter anderem wegen fehlender einheitlicher Standards. Mit der neuen DIN 72036 verfügt die Automobilindustrie nun erstmals über Möglichkeiten für eine automatisierte Fertigung von Leitungssätzen. Die Norm definiert Designrichtlinien und Anforderungen an Materialien, Komponenten- und Leitungssatzdesign sowie Datenformate. Dadurch wird die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette erleichtert und gibt Unternehmen Investitionssicherheit für die Einführung neuer Technologien.

Die Entwicklung von Normen ist komplex, weil die Anforderungen vieler Beteiligter berücksichtigt und abgestimmt werden müssen. Telsonic bringt dabei sein Fachwissen im Ultraschallschweißen in die Entwicklung der Norm DIN 72036 ein. Das Unternehmen ist Teil der Standardisierungsinitiative Leitungssatz (SILS), die die Norm unter juristischer Begleitung erarbeitet hat. Jürgen Reinert, technischer Berater bei Telsonic, gehört zum Team. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Steckverbinder- und Leitungssatzindustrie und begleitet die Normungsarbeit als Berater.

Norm verbessert Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit der Produktion

Sind viele Beteiligte in einen Prozess eingebunden, führen fehlende klare Vorgaben an den Schnittstellen oft zu Kommunikationsproblemen. Medienbrüche bremsen zudem Innovationen und haben Auswirkungen auf Effizienz, Fehleranfälligkeit und Geschwindigkeit.

Ein zentrales Element der Norm sind rund 60 Designrichtlinien, die Anforderungen an Materialien, Leitungssatz- und Komponentendesign sowie Prozesse festlegen. In der zweiten Ausgabe der Norm werden weitere Themen wie Hochvolt- und Hochfrequenzanwendungen sowie Anforderungen an Datenformate ergänzt. Ziel ist ein durchgängig digital unterstützter und automatisierter Produktionsprozess bis Ende 2026.

Jürgen Reinert, technischer Berater bei Telsonic - © Telsonic
Jürgen Reinert, technischer Berater bei Telsonic © Telsonic

Die Norm soll nicht nur die Automatisierung erleichtern, sondern auch Prozesse effizienter und die Produktion nachhaltiger machen. Einheitliche Daten und definierte Abläufe können Fehler reduzieren und digitale Zwillinge ermöglichen. Dieser neue Standard macht die vollständige Prozessrückverfolgbarkeit zu einer zentralen Anforderung. Die Telsonic Technologieplattform TelsoAssist liefert bereits die digitalen Daten, die für die Erstellung digitaler Zwillinge und eine nahtlose Qualitätskontrolle notwendig sind.

Der TelsoAssist – Ultraschalltechnologie smart digitalisiert. - © Telsonic
Der TelsoAssist – Ultraschalltechnologie smart digitalisiert. © Telsonic

Auch die Anforderungen des Lieferkettengesetzes lassen sich damit leichter umsetzen. Davon können insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren.

Ultraschallschweißen als Schlüsseltechnologie

Bei der Herstellung von Leitungssätzen ist die Verbindungstechnik ein wichtiger Faktor. Neben dem Crimpen gewinnt das Ultraschallschweißen vor allem bei Aluminium und bei dicken Kupferleitungen, wie sie in modernen Fahrzeugen und der Elektromobilität eingesetzt werden, an Bedeutung. Solche Verbindungen sind belastbar und für anspruchsvolle Umgebungen geeignet. Telsonic hat dafür die PowerWheel-Technologie entwickelt, die durch wiegende Abrollbewegungen eine präzise Krafteinleitung an der Fügestelle ermöglicht. Auch Kupferleitungen mit einem Gesamtquerschnitt >200 mm2 lassen sich so zuverlässig verschweißen. Integrierte Weg- und Kraftmessungen unterstützen die Prozesssicherheit und Dokumentation.

Die PowerWheel-Technologie bringt die Schweißkraft punktgenau ein – für maximale Prozesssicherheit. - © Telsonic
Die PowerWheel-Technologie bringt die Schweißkraft punktgenau ein – für maximale Prozesssicherheit. © Telsonic
Zusammenarbeit bringt Innovation

Die Norm ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit verschiedener Partner im Rahmen der ARENA2036. Diese wiederum ist einer von neun vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) geförderten Forschungs-Campus in Deutschland.

Ihr Auftrag besteht darin, durch interdisziplinäre Kooperation zur technologischen Souveränität in Schlüsseltechnologien beizutragen – insbesondere in der Automobilproduktion. Für die SILS-Initiative bedeutet dies, dass am Prozess verschiedene Akteure beteiligt sind wie Automobilhersteller, Zulieferer, Technologieanbieter und Wissenschaftler. Diese sorgen dafür, dass die Norm den realen Anforderungen der Branche entspricht.

Mit der DIN 72036 ist also ein entscheidender Schritt für die Zukunftsfähigkeit der deutschen und europäischen Automobilindustrie getan. Dank des Engagements verschiedener Partner wird die Leitungssatzfertigung effizienter, flexibler und nachhaltiger. Die Norm schafft die Voraussetzungen für Innovationen, neue Geschäftsmodelle und eine starke Wettbewerbsposition im internationalen Markt.

(Quelle: Telsonic AG)

Schlagworte

AutomatisierungAutomobilindustrieNormungsarbeitSchlüsseltechnologienTechnologienUltraschallUltraschallschweißenVerbindungstechnikWertschöpfungskette

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