Forschung
© Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez
19.04.2026

Erfolgreiches Cobot-Schweißen ohne Robotikexpertise

Technologietransfer, der wirkt: Auf dem „European Robotics Forum“ (ERF) gewann das Bewerbertrio Ende März die prestigeträchtige Auszeichnung. Sie belohnt Forschung, die im industriellen Einsatz angekommen ist. Inhalt der Bewerbung war eine No-Cod-Lösung, mit der Unternehmen Cobots ohne Fachwissen oder hohe Aufwände fürs Schweißen bei kleinen Losgrößen einsetzen können.

Das Fraunhofer IPA hat gemeinsam mit Trumpf und Lorch eine Technologie entwickelt, die kollaborative Schweißroboter revolutioniert: Ein intelligentes Sensor-Add-on ermöglicht erstmals die vollautomatische initiale Planung der Roboterbahn ganz ohne vorherige Programmierung.

Renommierter Award der europäischen Robotik

Mit dieser Lösung bewarb sich das Entwicklungsteam unter dem Projektnamen „TR4CE-Weld – Tracing in Realtime 4 Cobot-Enhanced Welding“ für den diesjährigen euRobotics Technology Transfer Award. Gestiftet vom europäischen Roboterverband euRobotics und jährlich verliehen auf dem European Robotics Forum, setzte sich die Bewerbung mit einem schriftlichen Teil und einem Vortrag direkt auf dem ERF, dieses Jahr im norwegischen Stavanger, durch.

© Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez
Vertreterinnen und Vertreter des Gewinnerteams vom Fraunhofer IPA sowie von Trumpf und Lorch. © Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez

Der Award würdigt seit 2004 herausragende Leistungen beim Transfer von Robotiktechnologie aus der Forschung in die Industrie. Er unterstreicht die entscheidende Rolle des Technologietransfers dabei, die europäische Robotik an der Spitze des globalen Wettbewerbs zu halten.

Passgenaue Lösung: Knapp dreistellige Anzahl realisierter Roboterzellen

Die prämierte Lösung traf einen entscheidenden Marktbedarf, denn demografischer Wandel und Fachkräfteengpässe verschärfen den Mangel an qualifiziertem Schweißpersonal dramatisch. Automatisierung wird daher auch für kleinere Stückzahlen unverzichtbar, war aber bisher kaum wirtschaftlich umsetzbar – insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Die Kooperation zwischen Forschung und Industrie liefert hier eine praxisgerechte Antwort: Die Handhabung bleibt einfach und schnell – auch ohne tiefgreifendes Expertenwissen.

Die Fachkraft positioniert den Roboter lediglich am Startpunkt der Naht. Ein vorgeschalteter Lasertriangulationssensor erfasst dann die Fügezone selbstständig. Die Software berechnet in Echtzeit Schweißbahn und Brennerausrichtung, sodass der Einsatz innerhalb weniger Sekunden beginnen kann. Der entscheidende Durchbruch: Während bisherige Sensorik-Systeme lediglich vorprogrammierte Bahnen aufgrund von Toleranzen korrigieren, übernimmt die neue Entwicklung die komplette Erstprogrammierung. Abweichungen bei Folgebauteilen werden automatisch kompensiert. Diese Innovation erschließt die effiziente Produktion kleiner Losgrößen mit Cobots auf einem völlig neuen Niveau.

Beide Industriepartner haben Lizenzen erworben und bringen die Technologie bereits seit wenigen Jahren auf den Markt: Trumpf integrierte das System unter dem Namen Smart Seam Tracking in die prämierte Lichtbogen-Schweißzelle TruArc Weld 1000. Lorch bietet die Erweiterung als Seam Pilot für seinen kollaborativen Schweißroboter an.

Bestätigung für intensive Forschungsarbeit

Für das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA ist die Auszeichnung eine Bestätigung für herausragende praxisnahe Forschung. Die technologischen Grundlagen für diesen Erfolg wurden im Rahmen des KI-Fortschrittszentrums Lernende Systeme und Kognitive Robotik mit Förderung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg gelegt. So konnte eine exemplarische Lösung entwickelt werden, die vielen Unternehmen einen Mehrwert bietet.

Außerdem existiert zwischen dem Fraunhofer IPA und der Firma Trumpf bereits eine langjährige Kooperation im Rahmen des S-TEC Lab Flexible Blechfertigung. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, Forschungsergebnisse erfolgreich in unternehmerische Anwendungen zu überführen. Im Rahmen dessen wurde auch der Transfer der prämierten Lösung ermöglicht.

Weiterentwicklung der Technologie

Der Award beweist, dass selbst in einer der ältesten Robotikdisziplinen wie dem Schweißen noch Innovationspotenzial steckt. Doch das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht. So arbeitet das Team am Fraunhofer IPA bereits an einem Transfer auf andere adaptive Roboterprozesse, am Mehrlagenschweißen und auch an der Integration von optischer Qualitätsprüfung in den Cobot. Interessierte Unternehmen mit entsprechenden Use Cases oder Fragestellungen können gern auf das Team des Fraunhofer IPA für einen proof of concept zugehen.

(Quelle: Fraunhofer IPA)

Schlagworte

AutomatisierungAwardCobotCobot-SchweißenCobotsDemografischer WandelFraunhofer IPALaserLichtbogenProduktionstechnikRoboterzelleRoboticsRobotikSchweißenSensorikTechnologietransferWelding

Verwandte Artikel

28.07.2026

AMB 2026: Prozessintelligenz und -verantwortung

Pferd Tools präsentiert auf der AMB in Stuttgart ein hybrides Beratungsangebot und Robotics-Lösungen – erstmals im Umfeld der Anbieter von Vollhartmetallwerkzeugen.

Automatisierung Fertigungsprozesse Oberflächenbearbeitung Robotik Trennen Vollhartmetallwerkzeuge Werkzeuge Zerspanen
Mehr erfahren
28.07.2026

System Expertise is Gaining Significance in Specialist Welding Trade

As modern welding and cutting processes become more complex, the requirements for consulting, process understanding and technical support are also increasing.

Automation CNC Cutting High Arc Performance Welding Manual Metal Arc Welding MMAW Plasma Cutting Robots Submerged Arc Welding Welding Welding Consumables Welding Electrode
Read more
Impression von der Veranstaltung ROBOTER 2022
DVS Group
27.07.2026

ROBOTER 2027: Call for Papers

Für die Tagung und Fachausstellung „ROBOTER 2027“, die am 16. und 17. Februar 2027 in Hannover stattfinden wird, startet ab sofort der Call for Papers.

Additive Fertigung Automatisierung Call for Papers Digitalisierung Fachbeiträge Fügetechnik KMU Konferenz Lichtbogenschweißen Robotik Schweißen Schweißtechnik
Mehr erfahren
27.07.2026

Neuerscheinung Merkblatt DVS 2911

Mit Ausgabedatum Juli 2026 ist das Merkblatt DVS 2911 „Kondensatorentladungsschweißen – Grundlagen, Verfahren und Technik“ erschienen. Die Neuerscheinung ersetzt die Ausg...

DVS Kondensatorentladungsschweißen Merkblatt Regelwerke Schweißen Stahlbauteile Stahlbearbeitung Widerstandsschweißen
Mehr erfahren
27.07.2026

Call for Papers: Roboter 2027

The call for papers is now open for the ROBOTER 2027 conference and trade exhibition, taking place on February 16 and 17, 2027, in Hannover, Germany.

Additive Manufacturing AI Artificial Intelligence Automation Coating Cutting DVS DVS Group DVS Media GmbH German Welding Society Joining Joining Technology Robotics Robots Surfacing Welding
Read more