Wissenswertes
Deutschland ist Normungsweltmeister: Mit 17,1 % führt DIN den größten Anteil der ISO-Sekretariate - © DIN
07.01.2026

Internationales Normungsbarometer

Normen sind mehr als technische Regeln. Sie sind das Fundament für technologische Souveränität und wirtschaftlichen Erfolg. Wer internationale Standards setzt, prägt Märkte, beschleunigt Innovationen und schafft Vertrauen. Das Internationale Normungsbarometer 2025 zeigt: Deutschland bleibt global führend und steht gleichzeitig vor neuen Herausforderungen.

Deutschland ist Normungsweltmeister

Mit 17,1 % aller ISO-Sekretariate liegt Deutschland weltweit auf Platz 1 – vor den USA und China. Auch auf europäischer Ebene setzt DIN Maßstäbe: Mit 28,7 % aller CEN-Sekretariate führt Deutschland die europäische Normung an.

Top-Bereiche international
  • Umwelttechnik (Platz 1)
  • Maschinenbau (Platz 1)
  • Spezialtechnologien wie Optik & Lasertechnik (Platz 1)
  • Gesundheit & Medizin (Platz 2)

Dies zeigt, dass Deutschland die globalen Spielregeln der Technik quer durch Industrie, Forschung und Zukunftsfelder gestaltet.

Trotz Schwächen im Welthandel bleibt die deutsche Normungsbeteiligung stabil - © DIN
Trotz Schwächen im Welthandel bleibt die deutsche Normungsbeteiligung stabil © DIN
Sekretariate als Hebel für Einfluss

Ein Sekretariat bei ISO oder CEN ist das Steuerzentrum der internationalen Normung. Wer ein Sekretariat führt, leitet Expertenteams, definiert Schwerpunkte und gestaltet Inhalte – und damit die Standards von morgen.

Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das: mehr Gestaltungsspielraum, technologische Führungsrolle und internationalen Marktzugang.

Globaler Wettbewerb zieht an

Während Deutschland bei klassischen Industrien führend bleibt, verschiebt sich der Wettbewerb in digitale Zukunftsfelder. Die USA stehen hier an der Spitze und dominieren bei KI, Cloud Computing und Datenmanagement. Deutschland ist dagegen stark in Themen wie Informationssicherheit, Cybersicherheit sowie Quantencomputing und dem Digitalen Produktpass – Themen, die Europas digitale Zukunft prägen werden.

Bewegung im internationalen Normungsranking

Deutliche Veränderungen zeigt das Internationale Barometer auf den weiteren Plätzen. China hat den Anteil, der durch die nationale Normungsbehörde SAC geführten ISO-Sekretariate seit 2016 nahezu verdoppelt und klettert auf den dritten Platz direkt hinter den USA und Deutschland.

China baut seine Rolle in der internationalen Normung weiter aus - © DIN
China baut seine Rolle in der internationalen Normung weiter aus © DIN
Deutschland, USA und China im Vergleich

Deutschland nutzt Normung zur Sicherung der Technologieführerschaft in seinen industriellen Kernbranchen – etwa Maschinenbau, Chemie und Gesundheit. Die USA hingegen dominieren bei globalen Management- und IT-Standards und setzen über internationale Verträge eigene Standards durch. China verfolgt eine staatlich gesteuerte, strategische Normungspolitik. Ziel ist es, in Rohstoff-, Energie- und Konsumgüterketten Standards zu setzen, die den eigenen Export stützen. Zunehmend engagiert sich das Land aber auch in strategischen Feldern wie KI, 6G und Gesundheit.

Deutschland vorne bei CEN in Europa

Auch in Europa prägt DIN die Richtung der Normung: Mit einem Anteil von 28,7 % aller CEN-Sekretariate führt Deutschland vor Frankreich (25,7 %). Gemeinsam verantworten beide Länder über die Hälfte der europäischen Normungsarbeit.

Deutschland (28,7 %) und Frankreich (25,8 %) stellen zusammen mehr als die Hälfte der CEN-Sekretariate - © DIN
Deutschland (28,7 %) und Frankreich (25,8 %) stellen zusammen mehr als die Hälfte der CEN-Sekretariate © DIN
Schwerpunktfelder mit deutscher Führungsrolle bei CEN
  • Chemische Erzeugnisse: 31,6 % Anteil – 140 Mrd. € Umsatz, 480.000 Beschäftigte
  • Gesundheitswesen, -schutz, Arbeitssicherheit: 51,6 % Anteil – 400 Mrd. € Umsatz, 7 Mio.
  • Maschinenbau: 42,4 % Anteil – 250 Mrd. € Umsatz, 1 Mio. Beschäftigte
Deutschland digital vorn in Europa

Deutschland ist zudem stark in der digitalen Gesellschaft: Mit 25 % aller Sekretariate (gemeinsam mit Italien) prägt es Europas Normen für Digitalisierung, Datenschutz und KI. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Die wichtigen IT-Nationen USA, Japan und Korea spielen in der europäischen Normung keine Rolle. Gleichzeitig sorgt die ambitionierte europäische Regulierung dafür, dass sich die deutschen Normungsakteure hier besonders stark engagieren.

Normung als Wirtschaftsfaktor

Über 1,5 Billionen Euro deutscher Exporte beruhen auf DIN-geprägten Standards. Frühe Beteiligung an der Normung verschafft Unternehmen Einblick in technologische Trends und Marktentwicklungen. So wird Normung zum Wettbewerbsvorteil – sie beschleunigt Innovation, reduziert Risiken und stärkt internationale Anschlussfähigkeit.

Blick nach vorn: Deutschlands Zukunftsagenda

Um seine Führungsrolle zu sichern, setzt Deutschland auf drei strategische Hebel:

  • Digitale Normung ausbauen – insbesondere zu KI, Datenräumen und dem digitalen Produktpass.
  • Nachhaltigkeit verankern – mit Normen für Kreislaufwirtschaft, Green Deal und Klimaschutz.
  • Normung strategisch integrieren – als festen Bestandteil von Forschung, Innovation und Politik.

(Quelle: DIN Deutsches Institut für Normung e. V.)

Schlagworte

CybersicherheitDigitalisierungInnovationNormungStandardsTechnologieWirtschaft

Verwandte Artikel

Kay André Weidenmann, Leiter des Forschungsbereichs Polymer Engineering am Fraunhofer ICT in Pfinztal
14.10.2026

Prof. Dr.-Ing. Kay André Weidenmann ist neuer Leiter am Fraunhofer ICT

Prof. Dr.-Ing. Kay André Weidenmann ist seit 1. Oktober 2026 Leiter des Forschungsbereichs Polymer Engineering am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfi...

Digitalisierung Forschung Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunstsofftechnik Nachhaltigkeit Polymere Resilienz Werkstofftechnik
Mehr erfahren
DVS Group
13.10.2026

Geplante Kürzung der For­schungs­för­de­rung zurück­nehmen

DVS Forschung und FOSTA warnen davor, im Bundeshaushalt 2027 die Mittel für die Mittelstandsforschung zu kürzen. Damit drohe der Stillstand bei neuen Forschungsprojekten...

Digitalisierung DVS Fördermittel Forschung Industrielle Gemeinschaftsforschung Innovationskraft Mittelstand Mittelstandsforschung Wettbewerbsfähigkeit Zukunftstechnologien
Mehr erfahren
Preisverleihung der Hermes Award 2026: Gewinner 2026 Schaeffler (2.v.l.) und BTRY (2.v.r.).
12.10.2026

Bewerbungsphase für den Hermes Award ist eröffnet

Anlässlich der Hannover Messe 2027 werden erneut der Hermes Award und der Hermes Startup Award ausgeschrieben. Mit diesen Awards werden Produkte oder Lösungen mit hohem t...

Auszeichnung Award Hannover Messe Innovation Produzierende Industrie Wirtschaftlichkeit
Mehr erfahren
Jan Birkemeyer, Präsident Deutscher Stahlbau-Verband
08.10.2026

Deutscher Stahlbautag 2026 – Impulse für die Zukunft

Der Deutsche Stahlbautag brachte am 17. und 18. September 2026 in Bielefeld Fachleute aus Stahlbau, Planung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Zwei Tage lang standen...

Digitalisierung Forschung Mittelstand Nachhaltigkeit Stahl Stahlbau Stahlbautag Transformation Wirtschaftstsandort Deutschland Wissenschaft
Mehr erfahren
Fronius Polaris ist die Systemsteuerung der nächsten Generation. Die Plattform vereint Cybersicherheit, intuitive Bedienung, die Digitalisierung von Schweiß-Know-how und die technologische Basis für zukünftige KI-Anwendungen.
06.10.2026

Bedienkonzept vereint Cybersicherheit, intuitive Steuerung und Digitalisierung

Fronius bündelt mit Polaris verschiedene Anforderungen der Schweißautomation in einem Steuerungssystem. Dazu zählen Cybersicherheit, eine intuitive Bedienung, Schweiß-Kno...

Automation Cybersicherheit Digitalisierung Fertigung Schweißen Sicherheitsanforderungen Software
Mehr erfahren