Fachbeitrag
Der Prozess des Rührreibschweißens - © RRS Schilling GmbH/Frank Jasper
30.09.2019

Serienfertigung von Aluminium-Stahl-Verbindungen mit Rührreibschweißen

Mischverbindungen aus Aluminium und Stahl werden schon seit längerer Zeit angewendet, insbesondere im Fahrzeugbau, wo einerseits eine hohe Stabilität und Festigkeit gefordert ist, andererseits aber das Gewicht auf ein Minimum reduziert werden muss. Die Verwendung beider Metalle in Mischbauweise wurde in der Vergangenheit meist durch kraft- oder formschlüssige Verbindungen realisiert. Auch mit stoffschlüssigen Fügeverfahren wie dem Lichtbogenlöten oder thermischen Schweißverfahren wie Lichtbogen- oder CMT-Schweißen ist die Herstellung von Stahl-Aluminium-Verbindungen grundsätzlich möglich. Allerdings können diese Verbindungsarten keine hohen Ansprüche an Dichtheit und Festigkeit erfüllen. Zudem entstehen zwischen den unterschiedlichen Werkstoffen intermetallische Phasen, die in ihrer metallischen Gitterstruktur nicht mit den Ausgangsmaterialien übereinstimmen und die Schweißnaht aufgrund von ungleichen Härtegraden und Dichten schwächen.

Unter den vielen Möglichkeiten, beide Metalle und somit ihre positiven Werkstoffeigenschaften in einer Konstruktion zu verbinden, ist das stoffschlüssige Fügen auch aus anderen Gründen immer problematisch: Aufgrund der weit auseinander liegenden Schmelzpunkte ist es nicht möglich, durch das thermische Schweißen feste und dichte Verbindungen herzustellen: Aluminium und seine Legierungen haben Schmelzpunkte um die 600° C, bei Stahlwerkstoffen liegt dieser zwischen 1400° C und 1500° C. Neben den stark voneinander abweichenden Schmelzpunkten unterscheiden sich Stahl- und Aluminiumwerkstoffe auch in weiteren Materialeigenschaften wie Wärmeausdehnungskoeffizient, Dichte und elektrischer Leitfähigkeit. Mit dem Rührreibschweißen, das nicht zu den thermischen Schweißverfahren zählt, lassen sich diese Schwierigkeiten umgehen. Denn beim Rührreibschweißen wird mmer mit Temperaturen unterhalb des Schmelzpunktes sowie mit einem verschleißfesten, rotiereden Werkzeug gearbeitet.

Das Rührreibschweißen zählt nicht zu den thermischen Schweißverfahren. Es wird immer mit Temperaturen unterhalb des Schmelzpunktes sowie mit einem verschleißfesten, rotiereden Werkzeug gearbeitet. - © RRS Schilling GmbH/Frank Jasper
Das Rührreibschweißen zählt nicht zu den thermischen Schweißverfahren. Es wird immer mit Temperaturen unterhalb des Schmelzpunktes sowie mit einem verschleißfesten, rotiereden Werkzeug gearbeitet. © RRS Schilling GmbH/Frank Jasper

Die Vorteile des Rührreibschweißens zeigen sich auch bei Präzisionsapparaturen, die insbesondere hinsichtlich der Dichtheit und Festigkeit normativen Vorgaben entsprechen müssen. Die Medizintechnik beispielsweise ist eine Branche, in der die Anforderungen an Funktionalität und Fertigungsqualität besonders hoch sind. Die Fügetechnik des Rührreibschweißens kann mit ihrer minimalinvasiven Arbeitsweise den dort herrschenden hohen Standards gerecht werden. So konnte das Rührreibschweißverfahren erfolgreich eingesetzt werden, um Bauteile aus Aluminium und Edelstahl für Röntgenbildverstärker herzustellen.

Bedingung für dieses Bauteil war, dass der aus Edelstahl und Aluminium gefertigte Deckel gasdicht sein muss, um das in der Apparatur erzeugte Vakuum abzuschließen. Kraft- oder formschlüssige Fügeverfahren können solche Maßgaben naturgemäß nicht erfüllen und auch Klebetechniken konnten dies nicht leisten. Die Lösung des Problems bot das Rührreibschweißen: Während das rotierende Werkzeug die Oberfläche des Edelstahlbauteils aufreibt, wird das Aluminium bis kurz unterhalb des Schmelzpunktes erwärmt. Darauf wird das plastifizierte Aluminium in die aufgeriebene Oberfläche des Edelstahlteiles gerührt und mit dem Führen des Werkzeugs durch die Fügezone bildet sich eine porenlose Naht, die gasdicht und von gleichmäßiger Festigkeit ist. Die Vergabe von Seriennummern für diese Teile entspricht dabei medizintechnischen Standards. Das ermöglicht zum einen das Rückverfolgen der Produkte und zum anderen eine gleichbleibend hohe Fertigungsqualität sichergestellt.

Für Röntgenbildverstärker konnte mittels des Rührreibschweißens ein Deckel aus Aluminium und Edelstahl hergestellt werden. - © RRS Schilling GmbH/Frank Jasper
Für Röntgenbildverstärker konnte mittels des Rührreibschweißens ein Deckel aus Aluminium und Edelstahl hergestellt werden. © RRS Schilling GmbH/Frank Jasper

Nach der erfolgreichen Fertigung der Teile für Röntgenbildverstärker sind nun auch Betriebe aus anderen Industriezweigen an das Unternehmen herangetreten, um die Anwendbarkeit des Verfahrens für ihre Fertigung zu prüfen. Inzwischen hat sich das Rührreibschweißen außerdem als Fügeverfahren bei der Produktion einiger Prototypen für OEM der Automobilindustrie bewährt.

(Quelle: RRS Schilling GmbH)

Schlagworte

AluminiumAutomobilindustrieFahrzeugbauMedizintechnikRührreibschweißenStahl

Verwandte Artikel

Der KR Fortec ultra MT wurde speziell für Anwendungen entwickelt, die hohe Prozesskräfte, Steifigkeit und Präzision erfordern.
28.09.2026

Forschungsplattform für robotergestütztes Rührreibschweißen

Die Hochschule Magdeburg-Stendal setzt auf KUKA Technologie für die Entwicklung industrieller FSW-Anwendungen der nächsten Generation.

Entwicklung Fertigungsprozesse Forschung FSW Hochschulen Maschinenbau Roboter Roboterschweißen Roboterzelle Rührreibschweißen Schweißen Universität
Mehr erfahren
DVS Group
28.09.2026

Finalist für das IGF-Projekt des Jahres 2026

Das Projekt „NbC-basierte Hartmetallzusammensetzungen als strategischer Werkstoffersatz für WC-Co in der Oberflächentechnik“ der Forschungsvereinigung Schweißen und verwa...

Automobilindustrie Beschichtungen Bremsscheiben Forschungsvereinigung IGF Industrielle Gemeinschaftsforschung KMU Kritische Rohstoffe Niobcarbid Oberflächentechnik Thermal Spray Bulletin TSB Verschleißschutz
Mehr erfahren
Ingenieurarbeitsmarkt: VDI ordnet ein und zeigt Potenziale
27.09.2026

VDI/IW-Ingenieurmonitor zum Strukturwandel am Arbeitsmarkt

VDI/IW-Ingenieurmonitor: Konjunkturelle Schwäche trifft derzeit auf einen Arbeitsmarkt im Wandel – doch der Fachkräftebedarf bleibt strukturell hoch. Der VDI sieht Re-Ski...

Arbeitsmarkt Digitalisierung Energiesektor Fachkräftemangel Informatik Ingenieurwesen Medizintechnik Re-Skilling Strukturwandel
Mehr erfahren
Das Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger entwarf die neue Frankreichzentrale, die in Holz-Betonbauweise errichtet wurde.
24.09.2026

Eröffnung der neuen Frankreichzentrale

Trumpf hat seinen neuen französischen Hauptsitz eröffnet. Er liegt in Villepinte, rund zwanzig Kilometer nordöstlich von Paris. Das Unternehmen investierte 16,1 Millionen...

Automobilindustrie Blechbearbeitung Bohren Halbleiterindustrie Lasertechnik Luft- und Raumfahrt Schneiden Schweißen Werkzeugmaschinen
Mehr erfahren
Risse, Ausbrüche und Erosionsschäden in Bauteilen aus Gusseisen oder Aluminium- und Stahlguss lassen sich mit der Reparaturpaste Pyro-Putty Typ 2400 von Kager kostensparend instand setzen.
20.09.2026

Risse und Ausbrüche in Metallen hitzefest reparieren

Risse, Ausbrüche und Erosionsschäden in Bauteilen aus Gusseisen oder Aluminium- und Stahlguss lassen sich mit der Reparaturpaste Pyro-Putty Typ 2400 aus dem Produktsortim...

Aluminium Bauteile Erosion Erosionsschäden Gusseisen Reparatur Reparaturpaste Stahlguss Temperaturbeständigkeit
Mehr erfahren