Wirtschaft
© unsplash.com / American Public Power Association
05.08.2022

Stark gestiegene Energiepreise gefährden Produktion in Deutschland

Stark gestiegene Energiepreise gefährden Produktion in Deutschland

Immer mehr Betriebe geben wegen der stark gestiegenen Energiepreise ihre Produktion in Deutschland auf oder haben ihren Geschäftsbetrieb eingeschränkt. Das geht aus einer DIHK-Vorabauswertung des jährlichen Energiewendebarometers unter bundesweit rund 3.500 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen hervor.

Demnach sehen sich insgesamt 16% der Industriebetriebe gezwungen, auf die aktuelle Energielage mit einem Zurückfahren der Produktion oder einer zumindest teilweisen Aufgabe von Geschäftsbereichen zu reagieren. Knapp ein Viertel davon hat das nach eigenen Angaben bereits realisiert, ein weiteres Viertel ist gerade dabei. Etwa die Hälfte dieser Unternehmen gibt an, entsprechende Schritte noch zu planen.

Abbauprozesse bei jedem dritten energieintensiven Betrieb

"Das sind alarmierende Zahlen", sagt DIHK-Präsident Peter Adrian. "Sie zeigen, wie stark dauerhaft hohe Energiepreise eine Belastung unseres Standortes sind. Vielen Unternehmen bleibt nichts anderes übrig, als zu schließen oder die Produktion an andere Standorte zu verlagern."

Besonders stark betroffen ist der Auswertung zufolge die energieintensive Wirtschaft: Hier sind die Werte durchweg noch mal doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Industrie. So beschäftigen sich insgesamt 32% dieser energieintensiven Betriebe mit einem Zurückfahren der Produktion oder einer (Teil-)Aufgabe von Geschäftsbereichen. Knapp ein Viertel von ihnen, also insgesamt 8% aller energieintensiven Unternehmen, hat entsprechende Maßnahmen bereits realisiert. Weitere 10% der Energieintensiven stecken eigenen Angaben zufolge in einem entsprechenden Abbauprozess, und zusätzliche 14% haben solche Schritte in ihrer Planung.

Peter Adrian hierzu: "Wir können aus diesen Zahlen auch den Schluss ziehen: Das, was wir aktuell an Rückgang des Gasverbrauchs in der Industrie beobachten, geht vor allem auf die Stilllegung von Maschinen und Anlagen zurück. Es lässt sich nicht unter einer verbesserten Energieeffizienz verbuchen."

© DIHK
© DIHK
Viele Unternehmen noch ohne Gasverträge für 2022

Die DIHK-Auswertung zeigt außerdem: Viele Unternehmen müssen auch Mitte des Jahres noch erhebliche Mengen Gas für 2022 beschaffen. Erst die Hälfte der Industriebetriebe hat ihren Gasbedarf bereits über Verträge gedeckt. Mehr als ein Drittel müssen noch über 30% ihres Jahresbedarfes für 2022 einkaufen. Das entspricht einer hochgerechneten Menge von bis zu 50 Terawattstunden Gas.

"Aufgrund der aktuellen Lage auf den Energiemärkten resultiert daraus für die Betriebe ein erhebliches Kosten- und Versorgungsrisiko in den kommenden Monaten", sagt DIHK-Präsident Peter Adrian. "Viele Unternehmen stellen aktuell auch fest, dass sie die selbst erlebten Preissteigerungen im direkten oder indirekten internationalen Wettbewerb nicht in ausreichendem Umfang an Kunden weiterreichen können."

So sehen der DIHK-Umfrage zufolge fast zwei Drittel der Industriebetriebe (63%) in den hohen Stromkosten und Gaspreisen eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.

(Quelle: Presseinformation des DIHK – Deutscher Industrie- und Handelskammertag)

Schlagworte

EnergieEnergieeffizienzEnergiewendeGasHandelIndustrieProduktionUnternehmen

Verwandte Artikel

08.11.2026

Retrofit von Industrieanlagen: Wann lohnt sich eine Modernisierung

Viele Industrieunternehmen stehen vor der Frage, ob ältere Produktionsanlagen durch neue Maschinen ersetzt oder durch ein gezieltes Retrofit modernisiert werden sollen. W...

Anlagensteuerung Digitalisierung Energieeffizienz Industrie 4.0 Industrieanlagen Investitionen Maschinen Modernisierung Retrofit
Mehr erfahren
29.10.2026

Intec und Z 2027: Fertigungspraxis trifft industrielle Transformation

Das Messedoppel Intec und Z findet vom 02. bis 05. März 2027 in Leipzig statt. Im Fokus stehen vor allem die aktuellen Herausforderungen der Industrie: hohe Produktionsko...

Additive Fertigung AM Automatisierung Baugruppen Fertigungsindstrie Fertigungsstrategien Industrie Industrielle Fertigung Mess- und Prüftechnik Messe Produktionsprozesse Prozess Wasserstoff Wasserstoffindustrie Wasserstofftechnologie Zulieferer Zulieferindustrie
Mehr erfahren
28.10.2026

Flexibles Laserstrahlschweißen in der industriellen Fertigung

Die produzierende Industrie steht aktuell vor großen Herausforderungen. Deshalb gewinnen Fertigungslösungen an Bedeutung, die sich an verändernde Produktionsbedingungen a...

Anlagenbau Automatisierung DER PRAKTIKER DP Fertigung Industrie Industrielle Fertigung Laserstrahlanlagen Laserstrahlreinigung Laserstrahlschneiden Laserstrahlschweißen Laserzelle Robotik Schweißanlagen
Mehr erfahren
27.10.2026

Wemag feiert 90-jähriges Bestehen

Das Fuldaer Familienunternehmen Wemag feiert sein 90-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung im Jahr 1936 hat sich der Betrieb vom Werkzeuggeschäft zu einem international...

90 Jahre Arbeitsschutz Digitalisierung Industrie Jubiläum Lagersystem Logistik Maschinen Maschinenhandel Materialbeschaffung Robotik Technologien Unternehmen Versorgungssystem Werkzeug Werkzeughandel Werkzeugmanagement
Mehr erfahren
24.10.2026

Wandercraft plant Ausbau der Produktion humanoider Roboter

Das französische Robotikunternehmen Wandercraft will seine Aktivitäten im Bereich humanoider Robotik ausbauen. Mit einem neuen Standort in Paris will Wandercraft seine Pr...

3D-Bildverarbeitung AI Humanoide Roboter KI Physical-AI-Plattform Produktion Produktionsanlagen Roboter Roboterintegration
Mehr erfahren