Trendthema Technologien
© IFR
02.09.2020

Volkswirtschaften brauchen „Robotik-Know-how“

Volkswirtschaften brauchen „Robotik-Know-how“

Bis 2022 werden weltweit voraussichtlich etwa vier Millionen Industrieroboter in den Fabriken im Einsatz sein. Ihnen kommt eine Schlüsselrolle bei der weiteren Automatisierung der Fertigung zu, die für eine schnelle wirtschaftliche Erholung in der Nach-Corona-Zeit dringend nötig ist. Damit steigt auch die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften. Die Aus- und Weiterbildungsangebote müssen entsprechend angepasst werden, fordert der Weltroboterverband International Federation of Robotics.

„Regierungen und Unternehmen weltweit sollten sich darauf konzentrieren, die nötigen Kompetenzen für den Umgang mit Robotern und smarten Automatisierungssystemen zu vermitteln", sagt Milton Guerry, Präsident der International Federation of Robotics. „Das ist nötig, um das Potenzial dieser Technologien voll auszuschöpfen. Die konjunkturelle Erholung in der Nach-Corona-Zeit wird die Nachfrage nach Robotik beschleunigen. Es bedarf politischer sowie privatwirtschaftlicher Strategien, um den Weg zu einer automatisierteren Wirtschaft für die Beschäftigten zu ebnen."

World Economic Forum zur Arbeitswelt der Zukunft

„Aktuell gehen nur sehr wenige Länder offensiv daran, ihr Bildungssystem an das Automatisierungszeitalter anzupassen", sagte Saadia Zahidi, Expertin für Bildungs-, Gender- und Beschäftigungsinitiativen beim World Economic Forum. „Die erfolgreichen Staaten fokussieren seit langem auf die Entwicklung des Humankapitals. Einige nordeuropäische Länder sowie Singapur führen die vermutlich am sinnvollsten Versuche zur Arbeitswelt der Zukunft durch."

Economist Intelligence Unit – Automation Readiness Index

Laut des von der The Economist Intelligence Unit (EIU) veröffentlichten „Automation Readiness Index” betreiben nur vier Länder eine ausgereifte Bildungspolitik, die den Herausforderungen einer automatisierten Wirtschaft bereits gerecht wird. Südkorea führt dieses Ranking an, gefolgt von Estland, Singapur und Deutschland. Länder wie Japan, die USA und Frankreich werden als entwickelt eingestuft – China rangiert hier noch als Schwellenland.

Auf der Agenda der Regierungen muss laut EIU nun stehen: Multi-Stakeholder-Dialoge, mehr Ausbildung und internationaler Erfahrungsaustausch.

Einstellungspolitik ändern

Als kurzfristige Strategie auf Unternehmensebene ist ein Wechsel der Einstellungspolitik eine Option: „Wenn Sie keine erfahrenen Mitarbeiter finden können, müssen Sie Ihr Augenmerk auf die Qualifikationen der Bewerber richten anstatt auf ihre Berufsbezeichnung", empfahl Dr. Byron Clayton als CEO von Advanced Robotics for Manufacturing (ARM) beim IFR-Roundtable in Chicago. „Man muss auf das Potenzial der Bewerber setzen. Wenn Sie keine erfahrenen Mitarbeiter finden können, müssen Sie eben jemanden einstellen, der in der Lage ist, den Job zu erlernen.“

Weichenstellungen für Aus- und Weiterbildung

Roboterhersteller unterstützen die Aus- und Weiterbildung für Robotik bereits mit praxisorientierten Schulungen. „Die Umschulung der bestehenden Belegschaft ist allerdings nur eine kurzfristig angelegte Maßnahme. Wir müssen schon viel früher ansetzen – die Lehrpläne für Schule und Ausbildung müssen an die Ansprüche der Industrie an die Arbeitskräfte der Zukunft angepasst werden. Dies sind zum einen Technik- und Digital-Kompetenzen, ebenso wichtig sind aber kognitive Fähigkeiten wie analytisches und kritisches Denken", sagt Dr. Susanne Bieller, Generalsekretärin der International Federation of Robotics. „Volkswirtschaften sollten die Automatisierung annehmen und die nötigen Kompetenzen dafür aufbauen. Nur so wird es gelingen, von den Vorteilen der Technik zu profitieren – und nicht vom internationalen Wettbewerb abgehängt zu werden.“

IFR Executive Round Table – automatica 8.-11. Dezember 2020 in München
Das Thema „Next Generation Workforce – Upskilling for Robotics“ wird von Experten auf dem IFR Executive Round Table am 9. Dezember auf der weltweit führenden Messe für smarte Automation und Robotik „automatica” in München diskutiert.

Das IFR-Positionspapier „Robots and the Workplace of the Future“ können Sie sich nachfolgend als PDF_Datei herunterladen:

(Quelle: Presseinformation der IFR International Federation of Robotics)

Schlagworte

AusbildungAutomationAutomatisierungFachkräftequalifizierungQualifizierungRobotikWeiterbildung

Verwandte Artikel

23.09.2020

Digitalisierungsförderung überbetrieblicher Ausbildungsstätten

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung investiert in einer neuen Förderrunde des Programms „ÜBS-Diigitalisierung“ 16 Millionen Euro für eine moderne und hochwert...

Ausbildung Ausbildungskonzepte Digitalisierung Fachkräftesicherung Überbetriebliche Ausbildung
Mehr erfahren
Der KUKA KR QUANTEC.
22.09.2020

Großauftrag aus Korea für KUKA

Der koreanische Automobilzulieferer SEOJIN Industrial vergibt einen Großauftrag an KUKA: 185 KUKA Roboter sollen bald in Korea zum Schweißen und für Handling-Aufgaben ein...

Automation Automatisiertes Schweißen Punktschweißen Roboterschweißen Robotik
Mehr erfahren
TRUMPF hat den BendMaster speziell fürs automatisierte Biegen entwickelt. Es gibt ihn mit einer Traglast von 150 Kilogramm oder 60 Kilogramm.
22.09.2020

Vollautomatisches Biegen auch für kleinste Losgrößen

TRUMPF hat eine neue Generation seiner automatischen Biegezelle TruBend Cell 5000 auf den Markt gebracht. Biegeprogramme lassen sich binnen Sekunden erzeugen und kleine L...

Automatisierung Biegen Blechbearbeitung
Mehr erfahren
20.09.2020

Aerogel – der Mikro-Baustoff der Zukunft

Aerogel ist ein hervorragender Wärmeisolator. Empa-Forschern ist es nun gelungen, Aerogele auch für die Mikroelektronik und im Bereich der Feinmechanik zugänglich zu mach...

Additive Fertigung Additive Manufacturing Feinmechanik Mikroelektronik Robotik Sensorik
Mehr erfahren
18.09.2020

OECD-Bildungsbericht unterstreicht Bedeutung der beruflichen Bildung

Der Jahresbericht „Bildung auf einen Blick“ der OECD nimmt dieses Mal den Bereich der beruflichen Bildung in den Fokus. Die Ergebnisse sind aus Sicht des ZDH und des DIHK...

Berufliche Bildung Bildungssystem Fachkräftequalifizierung Handwerk
Mehr erfahren