Trendthema
© TÜV NORD GROUP
02.10.2023

„Wir brauchen auch beim Thema Wasserstoff Brückentechnologien“

„Wir brauchen auch beim Thema Wasserstoff Brückentechnologien“

Vorübergehend auch auf kohlenstoffarm produzierten Wasserstoff zu setzen, könnte den Weg in eine Wasserstoffwirtschaft deutlich beschleunigen, sagt Silvio Konrad, Energieexperte der TÜV NORD GROUP in der aktuellen Folge des Podcasts „Energieschub“. „Wir brauchen pragmatische Lösungen. Gleichzeitig dürfen wir aber unseren Nachhaltigkeitsanspruch nicht aus dem Blick verlieren.“

Deutschlands zuverlässige Versorgung mit nachhaltig produziertem Wasserstoff ist Ziel der im Sommer veröffentlichen Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. „Die Strategie ist ein wichtiges Signal für das riesige Potenzial des flexiblen Energieträgers Wasserstoff für unsere nachhaltige Energieversorgung, die notwendige Wärmewende oder als Energiespeicher für die zunehmende Elektrifizierung“, betont Silvio Konrad, Geschäftsführer von TÜV NORD Systems. Daraus folgend sei es nun wichtig, verbindliche Rahmenbedingungen zu schaffen, wie zum Beispiel konkrete Maßnahmenpläne für den Import oder klare Grenzwerte der Treibhausgasemissionen für den sogenannten blauen Wasserstoff aus weniger nachhaltiger Produktion. Das alles noch beschleunigt durch den Abbau von Bürokratie und eine marktorientiere Vereinfachung von Regularien. „Geschieht dies nicht, entsteht Unsicherheit, entstehen Lücken – dann sind andere Länder als mögliche Zielländer offener und klarer in den Anforderungen und wir laufen Gefahr, den Wettbewerb um zentrale internationale Energielieferanten zu verlieren“, warnt der Energieexperte.

Das Ziel sei nachhaltiger, erneuerbarer Wasserstoff in ausreichender Menge für alle. Man benötige aber bis dahin alternative Verfahren als Brückentechnologien, die natürlich so CO2-reduziert wie nur möglich ausgeführt werden müssten. Der Gesetzgeber ebnet mit der Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie den Weg für eine zügige, technologieoffene Erleichterung des Markthochlaufs mit der übergangsweisen Nutzung von sogenanntem blauen Wasserstoff. Dieser gilt als nachhaltig, wenn das entstehende CO2 dauerhaft gespeichert oder anderweitig genutzt wird und so nicht in die Atmosphäre gelangt. „Wir bewerten positiv, dass das vorgeschlagene Wasserstoffbeschleunigungsgesetz noch dieses Jahr vorgelegt werden soll mit dem Ziel einer Anpassung und Vereinfachung der regulatorischen Rahmenbedingungen“, sagt Konrad weiter.

© stock.adoebe.com/Pcess609
© stock.adoebe.com/Pcess609

Auch mit Blick auf den nötigen Import von Wasserstoff warb Konrad für pragmatische Lösungen: „Technologieoffenheit kann ein Marktvorteil sein. Ebenso können Investitionsanreize in europäische, lokale Produktionen den notwendigen Ausbau internationaler Partnerschaften stärken.“ Gleichzeitig betonte er: „Wasserstoff kann nur dann als nachhaltiger Energieträger importiert werden, wenn man sich die gesamte Lieferkette anschaut und wir uns unserer Verantwortung auch dem Herstellerland gegenüber bewusst werden! Dazu gehörten eben auch soziale Standards und Arbeitsstandards im Exportland.“

Beim Thema Herstellung müsse man in Deutschland dezentral denken. Mit der Wasserstoffproduktion in Offshore-Windpark werde groß-skalige Elektrolyse sicherlich im Norden ein Thema werden. Im Rest von Deutschland solle man aber lokale Elektrolyse-Hubs stärken, da sie als autarke Systeme in der regionalen Versorgung eine Rolle spielen könnten, so Silvio Konrad in der neuen Podcastfolge von Energieschub.

Lokale Projekte für die Wasserstoffwirtschaft

Entlang der Wertschöpfungskette sind Expertinnen und Experten der TÜV NORD GROUP schon heute an vielen wegweisenden Projekten des Wasserstoffhochlaufs beteiligt. Im Bereich Import/Export unterstützen sie z.B. die H2 Global Stiftung oder Energieunternehmen aus dem Nahen Osten. In dieser Region validierten sie auch die Wasserstoff-Exportstrategie von Ägypten im Auftrag des ägyptischen Ministeriums für Elektrizität und Energie. Import allein wird den Bedarf in Deutschland aber nicht decken. Daher wird die lokale Herstellung von Wasserstoff von Fachleuten und auch dem Nationalen Wasserstoffrat unterstrichen. Dabei unterstützen die Expert:innen der TÜV NORD GROUP beispielsweise RWE in Lingen oder VoltH2 in Essen bei der Realisierung von Elektrolyseanlagen. Auf der Anwenderseite des Wasserstoffs wird u.a. die energieintensive Stahlindustrie von den Sicherheitsexpert:innen unterstützt: Arcelor Mittal arbeitet in Bremen und Hamburg an der Umstellung auf Wasserstoff, ebenso die Salzgitter AG - auch diese Projekte laufen mit Unterstützung der TÜV NORD GROUP.

Mehr dazu in der neuen Folge von „Energieschub“. Den Podcast hören Sie auch hier:

Spotify

Apple Podcasts

Deezer

(Quelle: Presseinformation der TÜV NORD GROUP)

Schlagworte

EnergiewendeNachhaltigkeitWasserstoffwirtschaft

Verwandte Artikel

Der am Fraunhofer ILT entwickelte Fluidic Powder Switch stoppt den Pulverstrom in Millisekunden direkt an der Düse, verschleißfrei und ohne bewegliche Teile.
17.10.2026

Innovationen für die additive Fertigung auf der Formnext

Auf der Formnext vom 17. bis 20. November 2026 in Frankfurt/Main zeigt das Fraunhofer ILT am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand D31 in Halle 11.0 Lösungen, die die additive Fe...

Additive Fertigung Bauteile Innovationen Laser Powder Bed Fusion Laserstrahlauftragschweißen LPBF Wasserstoffwirtschaft
Mehr erfahren
Kay André Weidenmann, Leiter des Forschungsbereichs Polymer Engineering am Fraunhofer ICT in Pfinztal
14.10.2026

Prof. Dr.-Ing. Kay André Weidenmann ist neuer Leiter am Fraunhofer ICT

Prof. Dr.-Ing. Kay André Weidenmann ist seit 1. Oktober 2026 Leiter des Forschungsbereichs Polymer Engineering am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfi...

Digitalisierung Forschung Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunstsofftechnik Nachhaltigkeit Polymere Resilienz Werkstofftechnik
Mehr erfahren
Jan Birkemeyer, Präsident Deutscher Stahlbau-Verband
08.10.2026

Deutscher Stahlbautag 2026 – Impulse für die Zukunft

Der Deutsche Stahlbautag brachte am 17. und 18. September 2026 in Bielefeld Fachleute aus Stahlbau, Planung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Zwei Tage lang standen...

Digitalisierung Forschung Mittelstand Nachhaltigkeit Stahl Stahlbau Stahlbautag Transformation Wirtschaftstsandort Deutschland Wissenschaft
Mehr erfahren
Prof. Dr. Gernot Hochleitner hat seit April 2026 die Professur für ressourceneffiziente Produkt- und Prozessentwicklung an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena inne. Zuvor leitete er am SKZ die Forschungsgruppe thermische Fügetechnologien mit Schwerpunkt auf Kunststoffschweißverfahren und Direktfügen.
01.10.2026

Nachhaltige Kunststofffügetechnik an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena) stärkt Forschung und Lehre rund um ressourceneffiziente Produktionsprozesse und nachhaltige Kunststofftechnik. Seit dem 1. April...

Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunststoffe Kunststofffügen Leichtbau Nachhaltigkeit Polymere Produktionskreislauf Produktionsprozesse Ressourceneffizienz Rezyklate
Mehr erfahren
Dr. Yingwei Wu (links) arbeitet im europäischen Forschungsprojekt HyCavern an laserbasierten Verfahren für die sichere unterirdische Speicherung von Wasserstoff. Ein Schwerpunkt liegt auf der metallischen Auskleidung sogenannter Lined Rock Caverns sowie auf Schutzschichten und Fügeprozessen, die den Stahl dauerhaft gegen den Einfluss von Wasserstoff schützen sollen.
30.09.2026

Lasertechnologie für die gesamte Wasserstoffkette

Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT zeigt auf der Hydrogen Technology World Expo 2026 in Hamburg, wie Laserverfahren zentrale Prozesse der Wasserstoffwirtschaft...

Bauteile Brennstoffzellen Elektrolyse Erneuerbare Energien Laserstrahlschneiden Laserstrahlschweißen Lasertechnologie Laserverfahren Schweißprozesse Wasserstoffspeicherung Wasserstoffwirtschaft
Mehr erfahren