Wirtschaft
© pixabay.com/Gerd Altmann
26.01.2024

Aluminiumindustrie fordert mehr Vernunft in der Wirtschaftspolitik

Deutsche Aluminiumindustrie: Mehr Vernunft in der Wirtschaftspolitik notwendig

Deutschland ist in einer Rezession. Dieser dramatischen Entwicklung konnte sich auch die Aluminiumindustrie nicht entziehen. Im Gegenteil, sie leidet besonders stark unter den hohen Energiekosten und der schwachen Konjunktur. Rob van Gils, Präsident von Aluminium Deutschland (AD) betonte: „Das Jahr 2023 hat sehr deutlich gezeigt: Die Energiewende-Strategie in ihrer bisherigen Form funktioniert nicht. Überregulierung, massive Bürokratie und fehlendes Verständnis für die Bedeutung der Industrie für Wohlstand und Teilhabe in Deutschland beschädigen die Akzeptanz für die Notwendigkeit einer klugen Klimaschutzpolitik.“

Die deutsche Aluminiumindustrie verzeichnete im Jahr 2023 deutliche Produktionsrückgänge in nahezu allen Teilbereichen. Vor allem in der Primärerzeugung fiel das Minus besonders deutlich aus. Nach einem Minus von mehr als 30 Prozent im Vorjahr sank die Produktion in den deutschen Hütten 2023 um weitere 45 Prozent auf 189.000 Tonnen. Sie erzeugten noch etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) des Volumens von vor der Energiekrise. Selbst 2009, im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise, wurde in Deutschland deutlich mehr Primäraluminium hergestellt. Bis zum Jahr 2021 war Deutschland der größte Primäraluminiumproduzent in der Europäischen Union. Die Unternehmen sahen sich seitdem durch die anhaltend sehr angespannte Situation auf dem deutschen Strommarkt zu drastischen Maßnahmen gezwungen. Eine der verbleibenden vier deutschen Aluminiumhütten wurde zum Jahresende 2023 endgültig stillgelegt.

Auch im weiterverarbeitenden Aluminiumhalbzeug-Bereich mussten die Unternehmen deutliche Rückgänge hinnehmen (-9 Prozent). Mit 2,33 Mio. Tonnen erreichte das Produktionsvolumen das geringste Niveau seit der Finanzkrise. Darunter verzeichneten die Hersteller von Strangpressprodukten mit -15 Prozent ein besonders starkes Minus – sie produzierten 500.000 Tonnen. Bei den Herstellern von Walzerzeugnissen sank die Produktion ebenfalls deutlich auf 1,83 Mio. Tonnen (-7 Prozent). Während die Unternehmen mit den schwierigen Standortbedingungen kämpfen, sehen sie sich gleichzeitig einem zunehmenden Wettbewerb mit Importeuren aus Drittstaaten ausgesetzt, in denen ökologische, soziale und ethische Standards deutlich niedriger sind.

© Aluminium Deutschland
© Aluminium Deutschland

Rob van Gils weiter: „Wir haben es mehrfach betont, ohne Aluminium, ohne resiliente Lieferketten und mehr strategischer Unabhängigkeit von Drittstaaten wird der Umbau der europäischen Industrie nicht gelingen. Darüber hinaus ist es dringend erforderlich, die Bedeutung der Industrie als Motor für Beschäftigung und Wohlstand wieder ins Zentrum politischer Entscheidungen zu rücken. Es ist eben keine gute Nachricht, wenn der CO2-Ausstoß im Jahr 2023 auf den niedrigsten Wert seit den 50er Jahren sinkt. Das ist nicht das Ergebnis kluger Energiepolitik, sondern das Ergebnis katastrophaler Wirtschaftspolitik.“

Die Mitgliedsunternehmen von Aluminium Deutschland (AD) sind mit Blick auf das neue Jahr sehr besorgt um den Industriestandort Deutschland. Sie stellen sich die berechtigte Frage, ob mutiges Unternehmertum, die Innovationskraft und ihr Beitrag zur wirtschaftlichen Prosperität politisch überhaupt wahrgenommen oder gar geschätzt werden. Die Unternehmen können mit Konjunkturzyklen durchaus umgehen, nicht allerdings mit einer immer weiter um sich greifenden Überregulierung mit dem moralischen Zeigefinger, aber ohne industriepolitischen Kompass.

Der Präsident von AD dazu: „Unsere Unternehmen investieren seit Jahren in effizientere und damit CO2-ärmere Produktion. Sowohl unsere Produkte als auch unsere Prozesse haben den Fußabdruck als wichtiges Ziel im Blick. Bei uns und bei unseren Kunden. Statt diese Entwicklung mit klugen Rahmenbedingungen zu stärken und zu begleiten, kommen Jahr für Jahr, Monat für Monat zusätzliche Belastungen hinzu. Das kann und wird nicht lange gutgehen. Es gilt auch hier die Börsenweisheit: Die Jobs sind nicht weg, sie sind nur woanders.“

(Quelle: Presseinformation von Aluminium Deutschland e.V. (AD))

Schlagworte

AluminiumAluminiumindustrieKonjukturWirtschaft

Verwandte Artikel

27.05.2026

Zehn Titan-beschichtete Bi-Metall Sägeblätter für den Multimaster ab Mai 2026

Mit der Erweiterung seines Zubehörsortiments bringt FEIN zum 1. Mai 2026 acht weitere Titan-beschichtete Bi-Metall Sägeblätter für den FEIN Multimaster auf den Markt. Zus...

Aluminium Aluminiumprofile AM Beschichtung Kunststoff Multitool Schleifen Schneiden TIG Tools Werkstoff
Mehr erfahren
21.05.2026

Aluminiumindustrie 2026 weiter unter Druck

Die deutsche Aluminiumindustrie findet auch zu Beginn des Jahres 2026 nicht in eine Aufwärtsdynamik zurück. Die Produktionsdaten für das erste Quartal zeigen, dass zentra...

Aluminium Aluminiumhalbzeuge Aluminiumindustrie Aluminiumproduktion Automobilindustrie Bauindustrie Recycling Refiner Remelting Walzprodukte
Mehr erfahren
11.05.2026

Entwicklung der Produktion im Produzierenden Gewerbe 03/2026

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wurde im März abermals leicht gedrosselt. Preis-, kalender- und saisonbereinigt nahm sie gegenüber dem Vormonat um 0,7 % ab.

Baugewerbe Industrie Industrieproduktion Konjuktur Maschinenbau Produzierendes Gewerbe
Mehr erfahren
20.04.2026

Hannover Messe 2026: Maschinenbau fordert Reformen

Auf der Hannover Messe 2026 schlägt der VDMA Alarm: Der Maschinen- und Anlagenbau sieht seine Belastungsgrenze erreicht. Präsident Bertram Kawlath warnt vor einer zunehme...

AR Arbeitszeit Brasilien Digitalisierung DIN Energiepreise Erosion Fluidtechnik GSI Lieferketten Maschinen- und Anlagenbau Maschinenbau Politik Raw Materials Reformen Ressourcen Robotik Technik Technologie VDMA Verpackungsindustrie Verteidigung Wirtschaft
Mehr erfahren