Wirtschaft
stock.adobe.com/Andrey Popov
30.06.2020

Ein Neustart für die Wirtschaft: Drei-Punkte-Programm des DIHK

Ein Neustart für die Wirtschaft: Drei-Punkte-Programm des DIHK

Fast alle Branchen bekommen die Auswirkungen der Corona-Krise deutlich zu spüren. Wie die deutsche Wirtschaft nach dem wochenlangen Shutdown wieder durchstarten kann, beschreibt der DIHK – Deutscher Industrie- und Handelskammertag in einem Drei-Punkte-Programm.

Trotz der Lockerungen befinden sich viele Unternehmen weiter in einer schwierigen Lage: Laut einer Unternehmensbefragung des DIHK rechnen rund 80 Prozent der Betriebe in diesem Jahr mit weniger Umsatz als im Vorjahr, jedes vierte Unternehmen befürchtet sogar einen Einbruch von über 50 Prozent.

Für viele Betriebe geht es um nicht weniger als ihre Existenz. Zeitweise geschlossene Grenzen, ein noch immer nicht überall reibungsloser Grenzübertritt, unterbrochene Lieferketten und anspruchsvolle Hygienekonzepte führen branchenübergreifend zu Problemen und verkomplizieren den Re-Start erheblich. Der Weg zurück zur Normalität ist lang. Der DIHK hat aus den Rückmeldungen der IHKs und AHKs einen Drei-Stufen-Plan erarbeitet. Er skizziert, wie es gelingen kann, einen Neustart zu ermöglichen und dabei gestärkt aus der Krise zu finden.

Stufe 1: Überbrückungshilfen ausbauen

In Stufe eins sind jetzt schnell Überbrückungshilfen für besonders hart von der Pandemie betroffene Unternehmen notwendig: Betriebe in Gastronomie und Tourismus, im Handel, aber auch im Veranstaltungsbereich von Messen bis zu Konzerten werden noch auf längere Zeit unter erheblichen Umsatzeinbußen leiden. Mit Krediten allein werden in diesen Wirtschaftszweigen die Corona-Folgen nicht aufzufangen sein. Letztlich mussten deutlich mehr Branchen und Unternehmen in den Shutdown, als Mitte März vermutet worden war. Vor allem aber werden viele Betriebe in den kommenden Monaten weiterhin mit niedrigen Umsätzen und höheren Kosten konfrontiert sein und jeden Monat Verluste machen. Zugleich sind die finanziellen Reserven nach vielen Wochen Shutdown inzwischen aufgezehrt. Dringend erforderlich ist daher jetzt eine Überbrückungshilfe in Form eines Zuschussprogramms für die vielen betroffenen kleinen und mittleren Unternehmen.

© pixabay.com/geralt
© pixabay.com/geralt
Stufe 2: Deutschland als Wirtschaftsstandort fördern

Um letztlich gestärkt aus der Krise hervorzugehen, sind bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Deutschland entscheidend. Dazu gehören Investitionen in Digitalisierung, Innovationen, Forschung, Glasfaser- und Mobilfunkausbau, Klimaschutz und eine bessere Verkehrsinfrastruktur. Durch einen Abbau bürokratischer Hürden sollten hier Planungs- und Genehmigungsverfahren wesentlich beschleunigt werden.

Zugleich sollten die hohen Energiekosten für Unternehmen gesenkt werden – vor allem durch eine deutliche Reduzierung der EEG-Umlage. Schnelle Abschreibungsmöglichkeiten würden positive Anreize für Investitionen setzen. Eine verbesserte Verlustverrechnung und eine Corona-Rücklage aus den Gewinnen 2019 können schnell Liquidität und Eigenkapital der Betriebe stärken. Ein weiterer Vorteil: Dem Staat gehen über einen längeren Zeitraum betrachtet dadurch keine Einnahmen verloren, die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten erfolgt nur früher. Mit zukunftsorientierten Projekten und einer konsequenten Modernisierung des Standortes werden Unternehmen branchenübergreifend gestärkt.

Stufe 3: Binnenmarkt weiterentwickeln und weltweiten Handel voranbringen

Deutschland sollte auf ein stärkeres Europa und eine Wiederbelebung des weltweiten Handels setzen. Liefer- und Wertschöpfungsketten müssen innerhalb der EU, aber auch weltweit so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. 60 Prozent aller deutschen Warenexporte und -importe fanden 2019 innerhalb des EU-Binnenmarktes statt. Einheitliche Regelungen und vermehrte Zusammenarbeit sollten deshalb zukünftig den freien Verkehr von Kapital, Waren, Personen und Dienstleistungen zwischen den Ländern ermöglichen. Wichtig ist es zugleich, den Welthandel trotz aller geopolitischen Probleme zu stabilisieren. Die EU sollte eine gemeinsame Linie entwickeln, um als klare Stimme in der Diskussion zur internationalen Handelspolitik wahrgenommen zu werden.

Mehr Europa erfordert aber auch, eigene EU-Regulierungsvorhaben kritisch zu hinterfragen. Insbesondere mittelständisch geprägte Betriebe brauchen zum Beispiel einen stabilen Zugang zu einem breit gefächerten, unternehmensspezifisch zugeschnittenen Angebot an Finanzierungsmöglichkeiten für anstehende Investitionen.

(Quelle: Presseinformation des DIHK)

Schlagworte

Corona-HilfeCorona-KriseUnternehmenWirtschaft

Verwandte Artikel

20.04.2026

Hannover Messe 2026: Maschinenbau fordert Reformen

Auf der Hannover Messe 2026 schlägt der VDMA Alarm: Der Maschinen- und Anlagenbau sieht seine Belastungsgrenze erreicht. Präsident Bertram Kawlath warnt vor einer zunehme...

AR Arbeitszeit Brasilien Digitalisierung DIN Energiepreise Erosion Fluidtechnik GSI Lieferketten Maschinen- und Anlagenbau Maschinenbau Politik Raw Materials Reformen Ressourcen Robotik Technik Technologie VDMA Verpackungsindustrie Verteidigung Wirtschaft
Mehr erfahren
18.04.2026

Der Industrial Accelerator Act der EU: Zukunftsorientierung stärken 

Der Industrial Accelerator Act (IAA) der Europäischen Kommission soll die europäische Industrie widerstandsfähiger, wettbewerbsfähiger und emissionsärmer machen. Das ist...

Aluminium Batterie CO2 DIN Elektrofahrzeuge Emissionen Energie EU Europe Herstellung Industriepolitik Investitionen Kritische Rohstoffe Material Materialien Politik Rohstoffe Stahl Technologien Technologietransfer TIG Weltwirtschaft Wettbewerbsfähigkeit Wirtschaft Wirtschaftsleistung
Mehr erfahren
16.04.2026

Wirtschaftliche Lage in Deutschland im April 2026

Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft hat sich im ersten Quartal deutlich abgeschwächt. Nach einer kurzen Stimmungsaufhellung zu Jahresbeginn haben sich Erwartungen vo...

Arbeitsmarkt Industrie Inflation Insolvenzen Konjunkt Wirtschaft
Mehr erfahren
23.03.2026

Wachstum durch Innovation in der Füge- und Trenntechnik

Die Boysen Gruppe hat im Geschäftsjahr 2025 ihre wirtschaftlichen Ziele erreicht und stellt gleichzeitig die Weichen für weiteres Wachstum in zentralen Industriebereichen...

AM Automatisierung Automobilindustrie Brenner Brennstoffzellen Elektrofahrzeuge Energie Energiespeicher Energiesystem EU Fertigungstechnologien Formprozesse Industrie Industrielle Fertigung Leichtbau Metall Metallische Werkstoffe Prozesskette Prozessketten Serienfertigung Technologien TIG Transformation Trenntechnik Unternehmen Wasserstoff Wasserstoffanwendungen Werkstoff Werkstoffe Wettbewerb
Mehr erfahren
22.03.2026

Mehr Transparenz und Effizienz für Karosseriewerkstätten

Mit der Einführung von 3M RepairStack Performance Solutions in ausgewählten europäischen Märkten bringt 3M eine vernetzte Hard- und Softwarelösung auf den Markt, die spez...

AI AR Arbeitsprozesse Digitale Transformation Instandsetzung KI Material Repair TIG Werkstatt Werkstätten Werkstoff Werkstoffe Wirtschaft
Mehr erfahren