Award
Anja Tusch und Jonas Lillig, Otto von Guericke-Preisträger 2022. - © AiF
03.12.2022

Otto von Guericke Preis 2022 geht nach Kaiserslautern

Ressourceneffizienz in der Betonherstellung – Otto von Guericke Preis 2022 geht nach Kaiserslautern

Zement, Wasser und Gesteinskörnung sind die Hauptbestandteile des wichtigsten Baustoffs der Welt: Beton. Das junge Forscherteam Anja Tusch und Jonas Lillig von der Technischen Universität Kaiserslautern wurde am 30. November 2022 mit dem Otto von Guericke-Preis ausgezeichnet. Die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes mit dem Titel „Steigerung des Frischbetonrecyclings in der Transportbetonindustrie“ ermöglichen eine Ressourcenschonung durch kreislaufgerechte Verwendung von Restbeton. Das Forschungs- und Transfernetzwerk AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. vergibt den mit 10.000 Euro dotierten Preis seit 1997 an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für besondere Innovationsleistungen auf dem Gebiet der vorwettbewerblichen Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), die vom Bundeswirtschaftsministerium mit öffentlichen Mitteln gefördert wird.

Bauen ist rohstoff- und energieintensiv

Die Baubranche zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen in Deutschland und ihre Produkte, wie Gebäude oder Straßen, sind für unseren Alltag unverzichtbar. Allein 300.000 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gebaut. Gleichzeitig ist Bauen rohstoff- und energieintensiv, insbesondere die Herstellung von Beton. „Bei der Transportbetonproduktion fallen Überschuss- und Restmengen an, die dem Wertstoffkreislauf relativ einfach wieder zugeführt werden können, wenn Restwasser und Gesteinskörnung in einer Recyclinganlage getrennt werden“, erklärt Professor Wolfgang Breit, Fachgebietsleiter Werkstoffe im Bauwesen, Fachbereich Bauingenieurwesen der Technischen Universität Kaiserslautern. Obwohl die notwendigen Recyclinganlagen in fast allen Werken vorhanden sind, darf neuer Beton, laut Norm, aktuell höchstens fünf Prozent wiedergewonnene Gesteinskörnung enthalten. „Aus Sicht der Hersteller ist eine Entsorgung des gewonnenen Materials aktuell fast immer einfacher umzusetzen als dessen Wiederverwendung“, so Breit weiter.

Austauschquoten verfünffacht – Empfehlung für neue Beton-Norm

Ziel des IGF-Projektes war es, zu untersuchen, wieviel wiedergewonnene Gesteinskörnung direkt im Beton wiedereingesetzt werden kann, ohne dabei eine Verschlechterung der Betoneigenschaften befürchten zu müssen. „Wir wollten herausfinden, ob vor diesem Hintergrund eine Anpassung der aktuellen Norm nötig und sinnvoll ist. Dazu haben wir zunächst verschiedene Labor- und später auch Praxisversuche in Transportbetonwerken durchgeführt“, sagt Anja Tusch aus dem Forscherteam der TU Kaiserslautern. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass die wiedergewonnenen Gesteinskörnungen in ihren Eigenschaften denen von natürlichen gleichwertig sind, sodass Austauschquoten von bis zu 25 Prozent problemlos möglich sind. Daher haben wir gemeinsam mit dem projektbegleitenden Ausschuss eine Regelwerksempfehlung erstellt, die zur Überarbeitung der aktuell diskutierten nationalen und europäischen Betonnorm dient“, ergänzt ihr Teamkollege Jonas Lillig.

Anja Tusch und Jonas Lillig, Otto von Guericke-Preisträger 2022. - © AiF
Anja Tusch und Jonas Lillig, Otto von Guericke-Preisträger 2022. © AiF
Ökologische und wirtschaftliche Vorteile für KMU

„Durch die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit sind wir als Transportbetonhersteller in der Lage, zukünftig nahezu 100 Prozent unserer Rest- und Rückbetonmengen wieder zu verarbeiten. Das schont zum einen unseren Geldbeutel und zum anderen auch wertvolle Ressourcen“, betont Martin Unterluggauer von der TRAPOBET Transportbeton GmbH Kaiserslautern KG. Da die Branche jährlich viele Millionen von Kubikmetern Beton produziere, stecke darin großes Potential. Das Hamburger Unternehmen TBN Transportbeton Nord GmbH & Co. KG, das jährlich fast 500.000 Tonnen Beton herstellt, hat sich, nach Aussage ihres Geschäftsführers Oliver Lindfeld, der Nachhaltigkeit als Leitgedanken verschrieben. „Die Erhöhung des Anteils rezyklierter Materialien ermöglicht uns, noch nachhaltiger zu wirtschaften als bisher“, so Lindfeld.

Dieses IGF-Vorhaben leiste daher einen aktiven Beitrag zur Ressourcenschonung im Bauwesen, von der alle kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der Transportbetonindustrie profitieren, schätzt Andreas Tuan Phan, Geschäftsführer des AiF-Mitglieds Forschungsgemeinschaft Transportbeton e.V. – (FTB) ein und hebt abschließend hervor: „Die zeitnah geplante Einführung der neuen Betonnorm DIN 1045-2 bietet nämlich für Transportbetonhersteller enorme ökologische und wirtschaftliche Vorteile.“ Einen vierminütigen Film zum Projekt finden Sie im Medienraum der AiF-Website.

Ansprechpartner zum IGF-Projekt:

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Breit, Technische Universität Kaiserslautern, Fachbereich Bauingenieurwesen, Fachgebietsleitung Werkstoffe im Bauwesen
E-Mail: wolfgang.breit@bauing.uni-kl.de, Tel.: +49 631 205 2297

Andreas Tuan Phan, Geschäftsführer der Forschungsgemeinschaft Transportbeton e.V. – FTB
E-Mail: phan@transportbeton.org, Telefon: +49 30 2592292-37

(Quelle: Presseinformation der AiF – Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke e.V.“)

Schlagworte

BaubrancheBetonherstellungForschungInnovationKreislaufwirtschaftRecycling

Verwandte Artikel

Die neu aufgestellte Geschäftsführung des SKZ (von links): Dr. Benjamin Baudrit, Prof. Dr.-Ing. Martin Bastian, Dr. Thomas Hochrein und Dr. Giovanni Schober
09.01.2026

Geschäftsführung neu strukturiert

Mit Wirkung zum 1. Januar 2026 hat sich die Geschäftsführung des Kunststoff-Zentrums SKZ neu aufgestellt. SKZ-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Martin Bastian reagiert...

Forschung Fügen von Kunststoff Geschäftsführung Kunststoffe Management Vorstand Zertifizierung
Mehr erfahren
Deutschland ist Normungsweltmeister: Mit 17,1 % führt DIN den größten Anteil der ISO-Sekretariate
07.01.2026

Internationales Normungsbarometer

Normen entscheiden über Marktzugang, Innovation und technologische Führung. Das Internationale Normungsbarometer 2025 zeigt: Deutschland führt in der internationalen Norm...

Cybersicherheit Digitalisierung Innovation Normung Standards Technologie Wirtschaft
Mehr erfahren
06.01.2026

Critical Raw Materials for EU Energy Transition

An upcoming ECA audit report to be published in February will assess EU action in the area of securing raw meterials for the energy transition.

Energy EU European Green Deal European Union Green Energy Net Zero PV Raw Materials Recycling Solar Panels Wind Turbines
Read more
Das Projektteam von v.l.n.r Timo Kaplanek, Benedikt Ebert, Theresia Groß, Marc-André Weismüller, Alexandra Jansen
19.12.2025

Automatisiertes Recycling von Wärmeübertragern

Ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer automatisierten robotergestützten Prozesskette für die wirtschaftliche und kreislauffähige Demontage von Elektro-Altgeräten ha...

Automatisierung Forschung Recycling Roboter
Mehr erfahren
Prof. Lutz Eckstein wurde als VDI-Präsident einstimmig bestätigt
10.12.2025

Prof. Lutz Eckstein als VDI-Präsident wiedergewählt

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein wurde am 4.12.2025 einstimmig von der Vorstandsversammlung des VDI für weitere drei Jahre zum Präsidenten wiedergewählt.

Forschung Ingenieur Innovationen KI Technologien Vorstand Wissenschaft
Mehr erfahren