Wirtschaft
Pauschales PFAS-Verbot gefährdet die Klimaziele des European Green Deal. - © VDA, VDMA und ZVEI
06.08.2023

Pauschales PFAS-Verbot gefährdet die Klimaziele des European Green Deal

Pauschales PFAS-Verbot gefährdet die Klimaziele des European Green Deal

Kein Windrad, kein Energiespeicher, kein E-Auto, keine Halbleiter. Ohne per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) lassen sich die Schlüsseltechnologien der Transformation zur Klimaneutralität nicht produzieren und damit die Energie- und Mobilitätswende nicht umsetzen, warnen die drei großen Industrieverbände VDA, VDMA und ZVEI. Gemeinsam wenden sie sich gegen das aktuell von der EU geplante pauschale PFAS-Verbot und plädieren für eine differenzierte Betrachtung der Gruppe mit über 10.000 Stoffen.

Sie fordern: Die Stoffe, für die es aktuell noch keinen Ersatz gibt und solche, von denen kein Risiko für Mensch und Umwelt ausgeht, sollen der Industrie weiterhin zur Verfügung stehen. Es darf nicht zu unverhältnismäßigen Verboten kommen. PFAS, von denen Risiken für Mensch und Umwelt ausgehen, sollen demgegenüber kontinuierlich substituiert werden, wie es bereits heute gängige Praxis ist.

Für die von den Verbänden vertretenen Branchen – Automobilindustrie (VDA), Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) sowie Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) – sind viele PFAS aus der Stoffgruppe aktuell unverzichtbar. Die Stoffe werden umfassend in Querschnittstechnologien, beispielsweise als Dichtungen und Kabel, verbaut und in allen relevanten Schlüsseltechnologien eingesetzt, die maßgeblich über den Erfolg des Green Deal mitentscheiden werden. Auch Lithium-Ionen-Batterien oder Wasserstofftechnologien sind dringend auf PFAS angewiesen.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller: „Die Elektromobilität ist die zentrale Technologie auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität der Zukunft und zentraler Teil des European Green Deals der EU. Dabei ist klar: Um das Ziel klimaneutraler Mobilität erreichen zu können, ist und bleibt der Einsatz von PFAS unverzichtbar. Ohne sie sind heute weder die bestehenden Fahrzeuge noch zukünftige Fahrzeugtechnologien denkbar - das geplante pauschale PFAS-Verbot droht, zum Klimaschutz-Boomerang zu werden. Mit einer differenzierten Betrachtung dieser riesigen Stoffgruppe hingegen lassen sich Klima-, Umwelt und Gesundheitsschutz zusammenführen. Sicher ist: Die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie nehmen den verantwortungsvollen Umgang mit PFAS ernst und werden dies selbstverständlich auch in Zukunft tun."

VDMA-Präsident Karl Haeusgen: „Klimaschutz und Energiewende sind ohne die Technologien aus dem Maschinen- und Anlagenbau nicht möglich. Ein umfassendes PFAS-Verbot gefährdet viele grüne Technologien, von Windenergieanlagen über die Wasserstofferzeugung bis hin zur Produktion von Brennstoffzellen. Komponenten aus PFAS sind für diese Produkte und auch für ihre industriellen Herstellungsprozesse unverzichtbar. Zugleich sind die PFAS tief im Inneren von Maschinen verbaut und haben keinen direkten Kontakt mit der Umwelt.“

ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel: „Halbleiter sind für ein klimaneutrales Europa bis 2050 unverzichtbar. Die EU fördert den Aufbau eines leistungsstarken Halbleiter-Ökosystems unter anderem deshalb zurecht mit dem EU Chips Act und dem IPCEI Mikroelektronik. Ein pauschales PFAS-Verbot stände diesem Ziel diametral entgegen. Um diesen Zielkonflikt zu lösen, müssen PFAS differenziert und risikobasiert betrachtet werden, nicht pauschal mit dem Holzhammer.“

Eine Präsentation mit interaktiver Grafik und vielen Hintergrundinformationen zeigt anschaulich, wie grüne Technologien von einem pauschalen PFAS-Verbot betroffen wären.

Zur Präsentation

(Quelle: Pressemeldung des VDMA)

Schlagworte

AnlagenbauAutomobilindustrieBrennstoffzellenEnergiewendeKlimaschutzMobilitätswendePFASVDMAWasserstofferzeugungWasserstofftechnologienWindenergieanlagen

Verwandte Artikel

31.05.2026

Markt für thermische Spritzbeschichtungen wächst bis 2034 auf 20,22 Milliarden US-Dollar

Der weltweite Markt für thermische Spritzbeschichtungen bleibt auf Wachstumskurs. Nach Angaben von Fortune Business Insights lag das Marktvolumen 2025 bei 11,97 Milliarde...

Automobilindustrie Beschichtungen Flammspritzen Kaltgasspritzen Lichtbogenspritzen Luft- und Raumfahrt Marktanalyse Plasmaspritzen Thermal Spray Bulletin Thermisches Spritzen TSB
Mehr erfahren
26.05.2026

Neue Generation lichtaktivierbarer Klebstoffe

Delo hat eine neue Generation lichtaktivierbarer Klebstoffe vorgestellt, die speziell für die Hochvolumen-Produktion von LiDAR-Systemen entwickelt wurde.

Automobilindustrie Automotive Hochvolumenproduktion Kleben Klebstoffe Lichtaktivierbare Klebstoffe Robotik Whitepaper
Mehr erfahren
Hightech-MAG-Schweißen von Förderschnecken mittels Roboter und Wendepositionierer
24.05.2026

Technologie für die Energiewende

Wenn zwei Unternehmen ähnliche Werte und Ziele verfolgen, kann daraus eine Zusammenarbeit entstehen, die über eine klassische Geschäftsbeziehung hinausgeht. Hargassner un...

Automatisierung Drahtvorschub Energieeffizienz Energiewende Heizsysteme Photovoltaik Schweißen Schweißgeräte
Mehr erfahren
21.05.2026

Aluminiumindustrie 2026 weiter unter Druck

Die deutsche Aluminiumindustrie findet auch zu Beginn des Jahres 2026 nicht in eine Aufwärtsdynamik zurück. Die Produktionsdaten für das erste Quartal zeigen, dass zentra...

Aluminium Aluminiumhalbzeuge Aluminiumindustrie Aluminiumproduktion Automobilindustrie Bauindustrie Recycling Refiner Remelting Walzprodukte
Mehr erfahren
17.05.2026

Ausbilder sichern die Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus

Die VDMA-Ausbildungsumfrage 2026 zeigt, dass die duale Ausbildung im Maschinen- und Anlagenbau auf engagierte Ausbilder und überwiegend gute Rahmenbedingungen bauen kann.

Anlagenbau Ausbilder Ausbildung Duale Ausbildung Maschinenbau Nachwuchsförderung Umfrage Wettbewerbsfähigkeit
Mehr erfahren