Wirtschaft
© Stahl-Zentrum/SMS
27.12.2020

Verdrängung der deutschen Stahlproduktion schadet Klima und Wirtschaft

Verdrängung der deutschen Stahlproduktion schadet Klima und Wirtschaft

Auf dem Weg zur klimaneutralen Wirtschaft kommt der Stahlindustrie eine Schlüsselrolle zu. Mit CO2-armen Produktionsverfahren und nachhaltigen Produkten macht sich die Branche auf den Weg, um einen entscheidenden Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten. Voraussetzung hierfür sind politische Rahmenbedingungen, die eine grüne Stahlproduktion zu fairen Bedingungen in Deutschland möglich machen. Das im Sommer von der Bundesregierung verabschiedete Handlungskonzept Stahl liefert hierfür die richtigen Ansätze, die nun rasch umgesetzt werden müssen.

Mit welchen Folgen der Wirtschaftsstandort Deutschland hingegen konfrontiert ist, wenn die Dekarbonisierung der Stahlindustrie ausschließlich durch steigende CO2-Preise forciert wird, hat jetzt eine Studie der Prognos AG im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung Stahl analysiert. So führt eine einseitige Erhöhung der CO2-Preise in der Stahlindustrie unweigerlich zu einem Rückgang von Produktion und Beschäftigung, besonders bei der Primärstahlroute. Damit verbunden ist ein volkswirtschaftlicher Schaden entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

„Die Stahlunternehmen in Deutschland und Europa stehen gegenwärtig vor einer massiven Herausforderung. Sie werden durch immer ambitioniertere Klimaziele gefordert, ohne dass der notwendige Förderrahmen steht. Die einzige Möglichkeit ihre klimapolitischen Ziele am Standort Deutschland zu erreichen, ist die Einführung neuer CO2-armer Produktionsverfahren. Gelingt diese Transformation nicht, droht Stahl künftig in anderen Regionen der Welt mit deutlich geringeren Klimaschutzauflagen produziert und anschließend nach Europa importiert zu werden“, erklärt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Laut Studie ist bei einer nicht international abgestimmten Erhöhung des CO2-Preises in Deutschland bis 2035 ein Produktionsrückgang in der Stahlindustrie in Höhe von 40 Prozent zu erwarten. Gesamtwirtschaftlich bedeutet dies einen Verlust von rund 200.000 Arbeitsplätzen und 114 Mrd. Euro Wertschöpfung. Hinzu käme ein Anstieg der globalen CO2-Emissionen. „Die volkswirtschaftlichen Kosten je ins Ausland verlagerter Tonne CO2 belaufen sich auf durchschnittlich 600 Euro. Dies übersteigt die höheren Produktionskosten eines wasserstoffbasierten Verfahrens um ein Vielfaches. Daher ist es ökonomisch effizienter, wenn die Politik die betroffenen Stahlunternehmen bei ihrer Transformation zu CO2-armen Produktionsverfahren unterstützt“, erklärt Dr. Michael Böhmer, Chief Economist Corporate Solutions bei der Prognos AG.

Vor diesem Hintergrund betont Verbandspräsident Kerkhoff: „Wenn Europa seine weltweite Vorreiterrolle im Klimaschutz ernst nimmt, müssen nun endlich die politischen Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass sich eine verlässliche Perspektive für eine CO2-arme Stahlerzeugung am Standort bietet. Hierfür muss die Transformation umfassend finanziell gefördert und abgesichert werden.“

(Quelle: Presseinformation der Wirtschaftsvereinigung Stahl)

Schlagworte

EmissionenImportIndustrieKlimaschutzStahlStahlerzeugungStahlindustrieStahlproduktionWasserstoffWirtschaftWirtschaftsstandort Deutschland

Verwandte Artikel

29.03.2026

Atlas Copco Group Annual Report Highlight

Atlas Copco Group presents its latest annual report highlights, outlining continued growth, strong operational performance, and a clear focus on innovation, sustainabilit...

AC AI Electrification Emissions Energy Energy Consumption Energy Efficiency Environment Industrie Infrastructure K KI Sustainability
Read more
27.03.2026

Lauda Honors Elmar Mohr for 40 Years of Service

Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG, based in Lauda-Königshofen, Germany, celebrated the 40th work anniversary of Elmar Mohr in a formal ceremony attended by the management...

AD Applications Construction DED Electromobility Equipment Hydrogen Industrie IoT PU Quality Assurance Semiconductors Systems Toolmaking
Read more
DVS Group
25.03.2026

Zusammenarbeit erweitert: Messe Essen stärkt Organisationsteam für ITSC 2027

Die Zusammenarbeit rund um die ITSC Exposition wird um einen weiteren Partner ergänzt: Die Messe Essen übernimmt gemeinsam mit der DVS Media GmbH die Organisation der Aus...

Beschichtung Beschichtungstechnik Beschichtungsverfahren Conference Entwicklung Event Events Forschung Forschung und Entwicklung Industrie International ITSC Messe Essen Schneiden Sustainability Thermal Spray Veranstaltung Verwandte Verfahren Weltleitmesse Wissenschaft
Mehr erfahren
23.03.2026

Wachstum durch Innovation in der Füge- und Trenntechnik

Die Boysen Gruppe hat im Geschäftsjahr 2025 ihre wirtschaftlichen Ziele erreicht und stellt gleichzeitig die Weichen für weiteres Wachstum in zentralen Industriebereichen...

AM Automatisierung Automobilindustrie Brenner Brennstoffzellen Elektrofahrzeuge Energie Energiespeicher Energiesystem EU Fertigungstechnologien Formprozesse Industrie Industrielle Fertigung Leichtbau Metall Metallische Werkstoffe Prozesskette Prozessketten Serienfertigung Technologien TIG Transformation Trenntechnik Unternehmen Wasserstoff Wasserstoffanwendungen Werkstoff Werkstoffe Wettbewerb
Mehr erfahren
23.03.2026

Neuer Leitfaden zu reaktiven Brandschutzsystemen im Stahlbau

Mit dem neuen Leitfaden „Anwendung reaktiver Brandschutzsysteme im Stahlbau“ steht Planern, Ingenieuren und Ausführenden eine praxisnahe Orientierungshilfe zur Verfügung.

AI AM Bauteile Bemessung Beschichtung Brandschutz Ingenieure Reibung Schichtdicke Schienen Stahl Stahlbau Stahlbauteile Stahlkonstruktionen TIG Wirtschaftlichkeit
Mehr erfahren