Viele Betriebe des deutschen Handwerks halten sich mit digitalen Angebots-Tools und PDFs für modern, doch Daniel Fellhauer warnt vor Stillstand. Der Gründer und CEO von Febesol GmbH sieht nicht den Fachkräftemangel als größte Gefahr, sondern mangelnde Digitalisierung und veraltete Führungsstrukturen. Der Fachkräftemangel sei teils „künstlich erzeugt“ – durch fehlende Spezialisierung und ineffiziente Prozesse. Laut Fellhauer liegt die Verantwortung hierfür oft in der Führungsetage: Innovation werde eher aus Prestigegründen blockiert anstatt den Nutzen von Prozessautomatisierung zu erkennen. Statt teurer Software fordert Fellhauer den Fokus auf die Kernfrage jedes Unternehmens zu richten: Welche Arbeit ist profitabel und wie lassen sich die dafür nötigen Abläufe standardisieren?
Das Handwerk ist eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft: Rund 5,6 Millionen Beschäftigte in über einer Million Betrieben1 sorgen für eine stabile Konjunktur sowie hochwertige Produkte und Dienstleistungen. Etwa 342.000 junge Menschen erhalten im Handwerk eine qualifizierte Ausbildung2. Gleichzeitig steht die Branche vor massiven Herausforderungen: Der oft zitierte, angebliche Fachkräftemangel, Nachwuchsprobleme und zunehmender Wettbewerbsdruck belasten Betriebe aller Größen. Daniel Fellhauer, der seit über 20 Jahren im Handwerk tätig ist, kritisiert jedoch einen weit verbreiteten Irrtum: „Das Handwerk glaubt digital zu sein – ist es aber nicht.“
Fachkräftemangel existiert im Handwerk nicht – Digitalisierungsmangel schon
Fellhauer, der als Gründer und CEO der Febesol GmbH einen engen Praxisbezug hat, vertritt die These, dass der Fachkräftemangel in Teilen „künstlich erzeugt“ sei. Seiner Ansicht nach fehlen in vielen Betrieben nicht die Arbeitskräfte, sondern vielmehr eine strukturierte Spezialisierung und moderne Prozesse. Viele Betriebe würden an festgefahrenen Denkweisen wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „So wie bei euch geht das bei uns nicht“ festhalten. Als Ursache nennt er häufig Entscheidungen auf Führungsebene: Manche Chefs würden Entwicklungen verpassen und Digitalisierung aus Prestigegründen oder fehlendem Verständnis ablehnen. Für Fellhauer beginnt Innovation mit einer betriebswirtschaftlichen Analyse, wie zum Beispiel der Frage, welche Tätigkeiten besonders gerne erledigt werden oder den größten Gewinn bringen. Diese Antworten sollten seiner Meinung nach als Ausgangspunkt für eine Spezialisierung und die Weiterentwicklung des Geschäfts dienen.
PDF als digitales Trugbild
Fellhauers Einschätzung fällt ernüchternd aus: Eine echte Transformation finde in vielen Betrieben kaum statt. „Ein PDF ist lediglich das digitale Abbild eines analogen Prozesses, keine echte Digitalisierung“, stellt er klar. Zwar nutzen viele Unternehmen Angebotssoftware, doch entscheidend sei die Abbildung von Prozessen – nicht das fertige Dokument. Als derzeit wichtigen Treiber nennt Fellhauer WhatsApp, das auf Baustellen häufig für den schnellen Austausch von Texten und Bildern genutzt wird. Gerade in wiederkehrenden Fragen und Bildern sieht er Ansatzpunkte für echte Standardisierung und Softwarelösungen.
Aufbruch in die Zukunft
Fellhauer warnt, dass das Handwerk ohne digitale Strategie an Attraktivität für junge, technikaffineNachwuchskräfte verlieren werde. Oft reichten dafür bereits einige gezielte Maßnahmen: mehr Standardisierung, etwa durch automatisierte Dokumentation und Personalplanung. Außerdem eine modernisierte Ausbildung, in der Digitalisierung verbindlich in Meisterschulen und Berufsschulen verankert ist. Auch Kammern und Verbände sollten aus seiner Sicht stärker Impulse setzen und Veränderungen unterstützen, statt den Status quo zu bewahren. Sein Appell richtet sich an Betriebe und Entscheider gleichermaßen: Digitalisierung darf nicht als Bedrohung, sondern muss als einzige Chance zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit gesehen werden.
1 https://www.zdh.de/daten-und-fakten/kennzahlen-des-handwerks/
2 https://www.zdh.de/daten-und-fakten/kennzahlen-des-handwerks
(Quelle: Daniel Fellhauer)
Schlagworte
AusbildungAutomatisierungDigitalisierungFachkräftemangelHandwerkInnovationNachwuchskräfteProzesseStandardisierung