Trendthema
Vielzahl von Kesselwagen an einer Raffinierie im bayrischen Chemie-Dreieck - © DB AG / Lautenschläger
15.07.2023

Wirtschaftliche Transportlösung für große Mengen Wasserstoff

DB Cargo entwickelt wirtschaftliche Transportlösung für große Mengen Wasserstoff

DB Cargo wird zukünftig dringend benötigten Wasserstoff per Güterzug transportieren: Die größte europäische Güterbahn kann heute schon 20 Prozent des benötigten Wasserstoffs auf der Schiene liefern – dank der bewährten und sicheren Logistik im Kesselwagen. Das Konzept stellt eine klimafreundliche schnelle Lösung da – denn der Ausbau des Pipeline-Netzwerks wird erst in den nächsten Jahrzehnten erwartet.

Hoher Bedarf laut Nationaler Wasserstoffstrategie

Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein. Der Energieträger der Zukunft und Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft ist Wasserstoff. Den Bedarf an Wasserstoff schätzt die Bundesregierung bis ins Jahr 2030 auf rund 110 Terawattstunden jährlich ein. Das hat sie im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie ausgerechnet. Zum Vergleich: Der Gesamt-Stromverbrauch in Deutschland lag zuletzt bei rund 580 Terawattstunden pro Jahr. „Wasserstoff wird eine gewichtige Rolle im künftigen Energiemix spielen. Es gibt derzeit viele neue Initiativen, wie grüner Wasserstoff auf dem Seeweg nach Deutschland kommt“, sagt Dr. Sigrid Nikutta, Chefin der DB Cargo AG und Vorstand Güterverkehr des DB-Konzerns. „Wir haben dafür eine Lösung entwickelt, die den Wasserstoff einfach und effizient von den Häfen zu den Verbrauchern im Hinterland bringt, vor allem zu unseren Industriekunden. So schaffen wir für die deutsche Wirtschaft eine sichere und leistungsfähige Lieferkette.“ Dr. Nikutta weiter: „Das deutsche Schienennetz ist ein Umweltnetzwerk mit mehr als 35.000 Kilometer Streckenlänge. Allein DB Cargo bedient dabei mehr als 2.100 Schnittstellen, Kundenanschlüsse, Terminals und Binnenhäfen. Grüner Wasserstoff braucht grüne Logistik – und das bieten wir.“

DB Cargo ist bereit, umgerechnet etwa 20 Terawattstunden auf der Schiene zu liefern. Das entspricht etwa 20 Prozent des geschätzten Wasserstoffbedarfs 2030. Der Transport von Wasserstoff auf der Schiene ist eine wettbewerbsfähige Alternative zur Pipeline, zumal diese bislang nicht existiert. Gegenüber der Straße hat die Schiene einen entscheidenden Vorteil: Sie ist der wesentlich umweltfreundlichere Transportweg. Denn: Ein Zug ersetzt bis zu 52 Lkw und spart 80 bis 100 Prozent CO2 gegenüber dem Transport auf der Straße. 

Wasserstoff gehört auf die Schiene

Grüner Wasserstoff entsteht – durch Elektrolyse – mit Hilfe erneuerbarer Energie. Er kann jedoch nicht immer dort produziert werden, wo er benötigt wird. Daher braucht es Lösungen für die Logistik. Wasserstoff wird vor allem in Regionen mit viel Wind, Sonne und Wasser produziert und anschließend in alle Regionen der Welt exportiert. Wasserstoff, der nach Deutschland importiert wird, ist in der Regel nicht gasförmig, sondern in Chemikalien gebunden. Dadurch kann er unkompliziert und effizient per Seeschiff transportiert werden. DB Cargo hat in Zusammenarbeit mit Energieversorgern ein Konzept für den Transport zu Empfängern weitab von Seehäfen entwickelt. Der Wasserstoff wird in der Flüssigkeitsbindung belassen. Damit können die üblichen Kesselwagen im Schienengüterverkehr genutzt werden. Sie sind heute schon vielfach für die chemische Industrie im Einsatz. Erst dort, wo Wasserstoff als Energiespender eingesetzt werden soll, wird das Ladegut wieder in seine Bestandteile „gecrackt“, der Wasserstoff separiert und als Energieträger genutzt.

Spezial-Container für den Transport von reinem Wasserstoff

Ebenso engagiert sich die DB Cargo bei der Entwicklung innovativer Wasserstoff-Container und testet die Logistik von reinem Wasserstoff. Diese Lösung ist sinnvoll, wenn es um die kleinteilige Verteilung von reinem Wasserstoff an dezentrale Kunden und Anwender geht – beispielsweise Wasserstoff-Tankstellen.

Gasförmiger Wasserstoff kann dabei unter hohem Druck in speziellen Multi Element Gas Containern (MEGC) transportiert werden. So organisiert DB Cargo auch die Belieferung der Wasserstoffzüge von DB Regio, die derzeit auf verschiedenen Linien im Praxisbetrieb getestet werden.

Ähnlich aufwändig wie der Transport von gasförmigem Wasserstoff ist auch der Transport von tiefkalt verflüssigtem Wasserstoff. Aufgrund der extrem niedrigen Temperatur (ca. -253 Grad Celsius) bedarf es auch hier besonderer Container.

DB Cargo beteiligt sich an vielfältigen Lösungen zur Wasserstoff-Logistik. Die größte europäische Güterbahn ist auch Mitgesellschafterin des „Reallabor Burghausen ChemDelta Bavaria“ – einer gemeinnützigen Gesellschaft im bayerischen Chemiedreieck. Die Zukunftstechnologie Wasserstoff wird hier im harten Industriealltag erprobt.

(Quelle: Pressemeldung von DB Cargo)

Schlagworte

AIChemieChemische IndustrieEnergieEntwicklungERPExportGasImportIndustrieKlimaLogistikNetzwerkPraxisRauchSchienenStromTechnologieTransportVerkehrWasserWasserstofWasserstoffWasserstoffstrategieWettbewerbWirtschaftZusammenarbeit

Verwandte Artikel

20.04.2026

Wolfram als Schlüssel zur Erschließung neuer Fertigungsmöglichkeiten

Wolfram gilt als hart, spröde, teuer und unbeliebt zur Weiterverarbeitung – ist aber durch seine Eigenschaften gerade deshalb ein Schlüsselwerkstoff für anspruchsvolle in...

Aluminium Automobilindustrie Elektrische Kontakte Elektroden Elektrotechnik Energie Fertigung Formgebung Forschung Forschung und Entwicklung Halbzeug Halbzeuge Industrie Industrielle Anwendungen Kathoden Legierungen Maschine Maschinenbau Metall Nickellegierungen Poren Prozesskette Prozesskontrolle Recycling Ressourceneffizienz Schwermetalle Sintern Strahlenschutz TIG Verbundwerkstoffe Werkstoffeigenschaften
Mehr erfahren
20.04.2026

Hannover Messe 2026: Maschinenbau fordert Reformen

Auf der Hannover Messe 2026 schlägt der VDMA Alarm: Der Maschinen- und Anlagenbau sieht seine Belastungsgrenze erreicht. Präsident Bertram Kawlath warnt vor einer zunehme...

AR Arbeitszeit Brasilien Digitalisierung DIN Energiepreise Erosion Fluidtechnik GSI Lieferketten Maschinen- und Anlagenbau Maschinenbau Politik Raw Materials Reformen Ressourcen Robotik Technik Technologie VDMA Verpackungsindustrie Verteidigung Wirtschaft
Mehr erfahren
18.04.2026

Der Industrial Accelerator Act der EU: Zukunftsorientierung stärken 

Der Industrial Accelerator Act (IAA) der Europäischen Kommission soll die europäische Industrie widerstandsfähiger, wettbewerbsfähiger und emissionsärmer machen. Das ist...

Aluminium Batterie CO2 DIN Elektrofahrzeuge Emissionen Energie EU Europe Herstellung Industriepolitik Investitionen Kritische Rohstoffe Material Materialien Politik Rohstoffe Stahl Technologien Technologietransfer TIG Weltwirtschaft Wettbewerbsfähigkeit Wirtschaft Wirtschaftsleistung
Mehr erfahren
16.04.2026

Wirtschaftliche Lage in Deutschland im April 2026

Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft hat sich im ersten Quartal deutlich abgeschwächt. Nach einer kurzen Stimmungsaufhellung zu Jahresbeginn haben sich Erwartungen vo...

Arbeitsmarkt Industrie Inflation Insolvenzen Konjunkt Wirtschaft
Mehr erfahren
15.04.2026

Evonik displays at Chinaplas 2026

The Evonik booth will showcase innovations in energy transition, low-altitude economy, hydrogen industry, smart manufacturing, healthcare and circular economy

Additive Manufacturing AI Circular Economy Data Centre Energy H2 Hydrogen Joining Plastics Manufacturing Plastics Plastics Additives Polymers
Read more