Forschung
Ein europäisches Forschungsprojekt will neue Legierungen entwickeln, die weniger auf Seltenen Erden und Kobalt angewiesen sind, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren und Magnete kostengünstiger und nachhaltiger herzustellen. - © S. Ener, T. You, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH
04.06.2023

Optimierte Magnete für die Energiewende

Optimierte Magnete für die Energiewende

Fossile Brennstoffe werden immer mehr durch Strom aus Sonne, Wind und Wasser ersetzt. Eine ausreichende Menge erneuerbarer Energie ist jedoch nur der Ausgangspunkt hin zur Klimaneutralität. Ein echter Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft ist nur mit der Elektrifizierung unserer Infrastrukturen möglich, die in hohem Maße von optimierten und kostengünstigen magnetischen Materialien abhängt. Die besten Magnete werden bisher allerdings unter Nutzung von Seltenen Erden und damit auf absehbare Zeit begrenzt verfügbaren Rohstoffen, hergestellt.

Diese Magnete kommen in immer größeren Mengen in der Windkraft, in der Elektromobilität und auch in der magnetischen Kühlung als Alternative zur konventionellen Gaskompressionskühlung zum Einsatz. Dabei ist die Europäische Union allgemein bei 14 von 27 entscheidenden Rohstoffen zu 100% von ausländischen Lieferanten abhängig. Der Europäische Innovationsrat unterstützt nun ein europaweites Forschungsprojekt zu neuen magnetischen Materialien, die ohne diese kritischen Rohstoffe auskommen. So werden wirtschaftliche Abhängigkeiten vermieden und die Herstellung von Magneten wird kostengünstiger, da nur gut verfügbare Rohstoffe genutzt werden. Das Forschungsprojekt wird von der Technischen Universität Darmstadt koordiniert und mit drei Millionen Euro für drei Jahre gefördert.

Bessere Magnete unabhängig von Seltenen Erden und Kobalt

„Ziel des Projekts ist die Synthese, Herstellung und Erprobung neuer Legierungen, die sich für Dauermagnete und magnetokalorische Anwendungen eignen, ohne dass Seltene Erden und Kobalt verwendet werden. Dieser Schritt ist entscheidend um die Elektrifizierung unserer Infrastrukturen zu beschleunigen“, erklärt Oliver Gutfleisch, Professor für Funktionswerkstoffe an der Technischen Universität Darmstadt und Koordinator des neuen Projekts. Herkömmliche Legierungen bestehen traditionell aus ein bis zwei Hauptelementen und mehreren anderen Elementen in geringen Mengen. Das Forschungsteam hat nun ein neues Designkonzept für Magnete entwickelt: „Unsere Legierungen bestehen aus mehreren Hauptelementen in relativ hohen Konzentrationen, im Fachjargon als Hochentropielegierungen bezeichnet. Dadurch können die Eigenschaften der einzelnen Elemente voll ausgenutzt werden, wodurch die neuen Magnete nicht nur nachhaltiger, sondern auch besser formbar und korrosionsbeständig sein werden“, sagt Dr. Liuliu Han, Projektleiter am Max-Planck-Institut für Eisenforschung, welches auch Projektpartner ist.

Komplexe Legierungen ebnen den Weg für Ausbau der Elektrifizierung

Das Projekt CoCoMag (Multi-property Compositionally Complex Magnets for Advanced Energy Applications) wird von der EU-Förderlinie „Pathfinder Open“ unterstützt, mit der radikal neue Technologien identifiziert werden sollen, die das Potenzial haben, ganz neue Märkte zu schaffen. Dazu werden visionäre und risikoreiche Projekte in einem frühen Entwicklungsstadium gefördert. An dem Projekt sind neben der Technischen Universität Darmstadt und dem Düsseldorfer Max-Planck-Institut für Eisenforschung, auch die Chalmers University of Technologies (Schweden), die Donau-Universität Krems (Österreich) und die Universität Sevilla (Spanien), sowie Unternehmen aus Deutschland, Italien und Griechenland beteiligt. Das jetzt bewilligte Projekt ebnet den Weg für einen bahnbrechenden Wandel in den Bereichen Elektromobilität und Kühlung, die derzeit auf Seltene Erden und Kobalt angewiesen sind. Neue innovative Magnete, die aus komplex zusammengesetzten Legierungen hergestellt werden, werden kostengünstiger sein, den ökologischen Fußabdruck verringern und die notwendigen Eigenschaften optimieren.

 

Weitere Informationen

 

(Quelle: Pressemeldung der Max-Planck-Instituts für Eisenforschung GmbH)

Schlagworte

AnwendungenArgonElektromobilitätEnergiewendeEntwicklungForschungGasKlimaKobaltKorrosionLegierungenRohstoffeSeltene ErdenTechnologienWerkstoffeWindkraftWirtschaft

Verwandte Artikel

Ein Walzwerk vor der Modernisierung: Ausfallzeiten, CO2-Ausstoß sowie Energie- und Wartungsaufwand sind hoch.
27.01.2026

Investitionsgut Maschine – der blinde Fleck der Kreislaufwirtschaft

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung beginnt bereits im Maschinenpark. Die Instandhaltung, Modernisierung und langfristige Nutzung von Maschinen trägt dazu bei, die Krei...

Energie Investitionsgüter Kreislaufwirtschaft Maschinenpark Modernisieren Nachhaltigkeit Ressourcenschonung Rohstoffe
Mehr erfahren
24.01.2026

Entgelterhöhung erst im Mai

Die konstruktiven Tarifverhandlungen zwischen der CG Metall und dem Fachverband Metall NW am 21.01.2026 konnten mit einem einvernehmlichen Ergebnis abgeschlossen werden.

Ausbildung Metall Metallhandwerk Tarifabschluss Tarifverhandlungen Wirtschaft
Mehr erfahren
21.01.2026

Neuerscheinung Merkblatt DVS 2909-3

Mit Ausgabedatum Januar 2026 ist das Merkblatt DVS 2909-3 „Reibschweißen von metallischen Werkstoffen − Metallografische Merkmale einer Reibschweißverbindung und Qualitä...

DVS-Berichte Merkblatt Qualitätssicherung Regelwerk Reibschweißen Schweißen Schweißverfahren Werkstoffe Zerstörende Prüfung Zerstörungsfreie Prüfung
Mehr erfahren
20.01.2026

Batteriestandort Europa: Unterstützung für reibungslose Skalierung

Die Automotive Cells Company (ACC) investiert in den Ausbau moderner Batteriezellproduktion in Europa und setzt dabei gezielt auf zukunftssichere Technologien.

Anlagenbau Batterieproduktion Batteriezellen Elektrofahrzeuge Elektromobilität Industrie
Mehr erfahren
DVS-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing (links) im Kurz-nachgefragt-Interview
16.01.2026

Interview mit DVS-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing

Im Interview skizziert DVS-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing, wie sich Verbandsarbeit unter veränderten technologischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen strategi...

DVS DVS-Verband Fügetechnik Industrie Jugend forscht MINT Nachwuchsgewinnung Schweißen Schweißindustrie Schweißtechnik Technologien Verbandsarbeit
Mehr erfahren